Düsseldorf, 27. Januar 2022. Wenn die Gesundheitsminister demnächst ihren in der Bund-Länder-Runde gefassten Beschluss einer Priorisierung von PCR-Tests umsetzen, gefährden sie damit das Leben der Millionen Menschen, die zu Hause betreut werden. Denn die pflegenden Angehörigen gehören nicht zu den bevorzugten Gruppen.
„Bei uns rufen Angehörige in heller Aufregung an und fragen uns, was sie dann machen sollen“, sagt der Vorsitzende des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW, Peter Pick. Nicht nur die besonders verletzlichen Menschen selbst bräuchten – wie es mit der Priorisierung vorgesehen ist – weiterhin das Recht auf einen sicheren Test, sondern auch die Menschen, die ihnen bei der häuslichen Pflege jeden Tag nahekommen.
„Wenn ich künftig erfahre, dass ich mit infizierten Menschen im Kontakt war, werde ich nicht mehr mit einem Test sichergehen können, dass ich meinen demenzkranken Vater nicht gefährde“, sorgt sich eine Tochter am Telefon. „Wie aber soll ich ihn dann abends waschen und ins Bett bringen?“
„Nachdem die pflegenden Angehörigen schon bei der Organisation der Impfung im vergangenen Jahr keine hohe Priorität bekamen und teils Monate lang auf ihre Immunisierung warten mussten, bleiben sie jetzt abermals außen vor“, kritisiert Peter Pick. Der Alzheimer NRW-Chef verlangt von der Politik mehr Weitsicht.
„Die häusliche Pflege ist nach zwei Jahren Pandemie ohnehin schon am Limit. Die Angehörigen mit ihrer auch für das Funktionieren der Gesellschaft unverzichtbaren Leistung dürfen jetzt nicht alleingelassen werden. Und die Menschen, die zuhause gepflegt werden, haben ein Recht auf denselben Schutz wie die in den Heimen. Deswegen müssen pflegende Angehörige bei den PCR-Tests genauso prioritär behandelt werden wie beruflich Pflegende.“
