Düsseldorf, 19. Februar 2021. Nachdem laut Ministerium die überwiegende Zahl der in Pflegeheimen Wohnenden und Beschäftigten die zweite Impfung gegen das Coronavirus erhalten hat, geraten jetzt zunehmend die über 80-Jährigen in den Blick, die zuhause leben. Dabei sollte eines nicht vergessen werden: Viele dieser Älteren leben allein oder werden von ihren ebenfalls betagten Partnerinnen und Partnern gepflegt.
„Wer stellt sicher, dass alle diejenigen, die es wünschen, einen Impftermin bzw. eine Impfung notfalls auch zuhause bekommen?“, fragt Regina Schmidt-Zadel, die Vorsitzende des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW. Angesichts der technischen Hürden auf dem Weg zu einem Impftermin ist die Sorge berechtigt, dass gerade die verletzlichsten Menschen, besonders solche mit einer Demenz, entmutigt aufgeben, bevor sie sich einen Impftermin sichern können. Und dann sind da noch die immobilen Menschen, für die der Weg zum Impfzentrum zu beschwerlich ist und für die noch keine Impfstrategie steht. „Sehr bedenklich stimmt uns auch, dass Ältere im Krankenhaus bisher nicht geimpft werden“, bemängelt die ehemalige Bundestagsabgeordnete und langjährige Gesundheitspolitikerin. „Gerade Menschen mit Demenz befinden sich in der Gruppe Älterer, die länger im Krankenhaus sind.“ An ihnen gehe die Impfung vorbei – wie bisher auch an großen Teilen der medizinischen Versorgung wie z. B. Pflegepersonal und Physiotherapeuten, die die Älteren versorgen und damit blendend für die Verbreitung des Virus geeignet seien.
Prof. Dr. Ralf Ihl, stellvertretender Vorsitzender von Alzheimer NRW und Chefarzt der Klinik für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie der Alexianer Krefeld GmbH, berichtet, dass in seiner Klinik gerade täglich Anfragen zum Thema Impfungen eingehen. „Menschen, die keine Hilfe durch Angehörige erhalten können, bitten um Unterstützung bei der Vereinbarung eines Impftermins. Viele wissen auch nicht, an wen sie sich mit ihrer Unsicherheit und ihren Fragen zur Impfung selbst wenden können. Die Wartezimmer niedergelassener Ärztinnen und Ärzte sind voll, und andere Anlaufstellen finden sich kaum.“ Die Alexianer helfen in solchen Fällen weiter und fahren die Menschen zum Impfzentrum und von dort wieder nach Hause. Auch Alzheimer Gesellschaften helfen ihren Mitgliedern, so gut sie es vermögen. „Wer sonst ist zu solchen Hilfen bereit und in der Lage?“ fragt Regina Schmidt-Zadel und appelliert an den NRW-Gesundheitsminister: „Sprechen Sie die alten Menschen an und machen Sie Anlaufstellen oder Telefon-Hotlines überall im Land bekannt!“
Klärungsbedarf gibt es auch beim Ablauf der Impfung von Menschen, die ihr Zuhause nicht mehr verlassen können, sowie von solchen, die längerfristig stationär behandelt werden. Und die rasche Impfung der unentbehrlichen pflegenden Angehörigen bedarf ebenfalls noch einiger Vorbereitungen.
Zwar hat Bundesminister Spahn in seiner novellierten Impfverordnung Anfang Februar jeweils zwei enge Kontaktpersonen von pflegebedürftigen alten Menschen in die Gruppe zwei mit „hoher Priorität“ beim Impfen aufgenommen. Diese Gruppe wird voraussichtlich ab April geimpft. Noch ist aber völlig unklar, wann, in welcher Form und an welcher Stelle die Pflegebedürftigen ihre zwei Kontaktpersonen benennen können. Die Alzheimer Gesellschaften wären bereit, die Menschen mit
Demenz und ihre engsten Vertrauten darin zu unterstützen, entsprechende Erklärungen abzugeben und weiterzuleiten.
„Hier ist jetzt das Gesundheitsministerium gefragt“, betont die Vorsitzende von Alzheimer NRW, Regina Schmidt-Zadel. „Es sollte unverzüglich die offenen Fragen und Unterstützungsbedarfe angehen und Entscheidungen treffen, damit auch die verletzlichsten Menschen in Nordrhein-Westfalen in vollem Umfang von den Impfungen profitieren.“
