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3. März 2021

PM “Versprechen gebrochen” vom 03.03.2021

Pressemitteilung

Düsseldorf, 03. März 2021. Vor dem Impfzentrum halten sich alte, gebrechliche Menschen an Rollatoren fest, sitzen in Rollstühlen und warten mit ihren Begleiterinnen teilweise mehrere Stunden und ohne Information, bis sie endlich an der Reihe sind, geimpft zu werden. Das dem Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW von Mitgliedern mehrfach Berichtete wirkt wie ein Sinnbild verlorengegangener Achtsamkeit überhaupt beim Schutz der gebrechlichsten Menschen in Deutschland vor einer COVID-Erkrankung.

„>Wir lassen uns impfen. Aber Oma zuerst<,“, erinnert Regina Schmidt-Zadel, Vorsitzende von Alzheimer NRW, an das Versprechen der Bundesregierung in ihrer Werbekampagne >Deutschland krempelt die Ärmel hoch<. „Dass nun alte Menschen, viele davon mit einer Demenz, im Stich gelassen werden, ist ein Skandal.“ Mangelnde Sorgfalt spüren gerade nicht nur die vor Impfzentren Wartenden, sondern auch pflegebedürftige Menschen, die noch zuhause leben und nicht in der Lage sind, aus eigener Kraft ein Impfzentrum aufzusuchen oder die das Pech haben, in einem Krankenhaus länger behandelt zu werden.

Aufgrund der Probleme mit dem Impfstoff von Astra Zeneca veränderte die Bundesregierung im Februar die Reihenfolge bei den Impf-Prioritäten. In Nordrhein-Westfalen werden jetzt Hunderttausende Menschen aus jüngeren Zielgruppen vorgezogen. Eigentlich Höchstpriorisierte werden währenddessen mit recht vagen Versprechungen abgespeist. >So schnell wie möglich – also in den nächsten Wochen< würde man damit >beginnen<, die schwer pflegebedürftigen Personen in der eigenen Häuslichkeit aufzusuchen, hat NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann am 1. März angekündigt.

„Dass nun Berufsgruppen wie Erzieherinnen und Erzieher hochgestuft werden, sei ihnen ehrlich gegönnt“, erklärt Regina Schmidt-Zadel. „Aber man sollte doch erwarten können, dass zugleich alles darangesetzt wird, endlich auch die noch nicht erreichten Über-Achtzigjährigen vor der Infektion mit COVID-19 zu schützen. Diesen Eindruck vermittelt der Gesundheitsminister aber nicht.“

Regina Schmidt-Zadel, Bundestagsabgeordnete a.D. und langjährige Gesundheitspolitikerin, fürchtet, dass auch Menschen mit Demenz unter 80 Jahren nun länger auf eine Impfgelegenheit warten müssen. Sie gehören zu den Personen, die mit hoher Priorität eine Schutzimpfung erhalten sollen. „Während andere, jüngere Zugehörige zu dieser Gruppe II in Nordrhein-Westfalen bereits geimpft werden, hat Gesundheitsminister Laumann Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen erst für Ende März ein Impfangebot in Aussicht gestellt“, bemängelt die Vorsitzende von Alzheimer NRW. „Und die maximal zwei engen >Kontaktpersonen<, die Pflegebedürftige benennen können und die ebenso mit hoher Priorität geimpft werden sollen, fallen dann wohl unter die >weiteren Gruppen<, für die man erst >sukzessive darlegen< will, wann sie ein Impfangebot erhalten. Niemand scheint auch bisher zu wissen, wie die Kontaktpersonen ihre Berechtigung überhaupt geltend machen können. Das ist ein Schlag ins Gesicht der pflegenden Angehörigen, die in der Pandemie noch höher belastet sind, als es ohnehin der Fall ist.“

Wie überall in Deutschland werden auch in NRW rund zwei Drittel der Demenzerkrankten von Angehörigen zuhause versorgt. In den vergangenen Monaten waren zahlreiche Angebote zu ihrer Unterstützung ausgefallen.

„Der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften erwartet ein schnelles und unbürokratisches Vorgehen, damit Menschen mit einer Demenz und ihre Angehörigen den so wichtigen Schutz vor einer Corona-Infektion ohne weiteren Verzug erhalten“, fordert seine Vorsitzende Regina Schmidt-Zadel.

FAQs

Für Menschen mit Demenz ist die verbleibende, altersübliche Lebenserwartung verkürzt. Eine verbindliche Angabe für die Lebenserwartung mit ausgebrochener Alzheimer-Demenz ist nicht möglich. Zwei Drittel aller Erkrankten haben bereits das 80. Lebensjahr vollendet. Fast 70 % der Erkrankten sind Frauen. Europäische Studien fanden eine mittlere Krankheitsdauer von 3-6 Jahren. Die Dauer kann jedoch stark schwanken. In einigen Fällen wurden Überlebenszeiten von 20 und mehr Jahren berichtet. Im Einzelfall lässt sich die Krankheitsdauer nicht mit hoher Zuverlässigkeit vorhersagen. Allgemein gilt, dass die Überlebenszeit umso geringer ist, je später im Leben die Erkrankung eintritt, je schwerer die Symptome sind und je mehr körperliche Begleiterscheinungen bestehen. So bedroht der Verlust an Nervenzellen im Gehirn das Leben nicht direkt. Doch begünstigt der Verlauf bei fortgeschrittener Demenz Folgeerkrankungen, z.B. eine höhere Anfälligkeit für schwere Infektionen. Nicht wenige Menschen mit Demenz sterben an einer Lungenentzündung.

Eine sorgfältige Diagnose zur Feststellung einer Alzheimer Krankheit und zum Ausschluss anderer Erkrankungen umfasst die gründliche Untersuchung des körperlichen und geistigen Zustandes. Es werden psychologische Testverfahren durchgeführt zur Prüfung von Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Wahrnehmungsfähigkeit. Es werden Laborbestimmungen vorgenommen sowie bildgebende Verfahren (CT oder MRT) eingesetzt. Besonders wichtig ist das Gespräch mit Betroffenen und Angehörigen (Anamnese). Die Diagnose kann von erfahrenen Ärzten bzw. Fachärzten für Neurologie und Psychiatrie gestellt werden. Gedächtnisambulanzen (auch „Gedächtnissprechstunden“ oder „Memory Kliniken“ genannt) sind spezialisierte Einrichtungen zur Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen.

Es gibt bislang keinen Schutz davor, an Demenz vom Typ Alzheimer zu erkranken. Aber es gibt einige Faktoren, die das Erkrankungsrisiko – wie für andere Erkrankungen auch – verringern können. Dazu gehört eine körperlich und psychisch gesunde Lebensweise: – Geistige, körperliche und soziale Aktivität, – ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Carotin – Fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren – die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus – Vermeidung von Übergewicht – Vermeidung von regelmäßigem Konsum von Genussgiften, die nachweislich die Gefäße verengen (z.B. Nikotin, Alkohol)

Es ist zurzeit noch nicht möglich, eine Demenz, die durch die Alzheimer-Krankheit ausgelöst wird, zu heilen. Das Absterben der Hirnzellen kann mit den bestehenden medizinischen Möglichkeiten nicht verhindert werden. Es besteht aber die Möglichkeit, auf den Krankheitsverlauf einzuwirken und das Fortschreiten der Symptome vorübergehend hinauszuzögern. Medikamente, sogenannte Antidementiva, können die geistige Leistungsfähigkeit ungefähr ein Jahr aufrechterhalten und sich positiv auf die Bewältigung des Alltags auswirken. Therapeutische Maßnahmen, wie Ergotherapie, Logotherapie (Sprachtherapie) und Krankengymnastik (vom Arzt verordnet) können die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen verbessern und Verhaltensstörungen lindern. Hilfreich können Musik- und Kunsttherapie, Verhaltenstherapie, Selbst-Erhaltungs-Therapie oder Erinnerungstherapie sein. Die Persönlichkeit und individuellen Besonderheiten der Erkrankten sollten dabei stets berücksichtigt werden. Medikamentös und therapeutisch behandelte Menschen mit Demenz vom Alzheimer Typ können ihre Ressourcen länger erhalten, als unbehandelte Patienten. Menschliche Zuwendung, Aktivierung und Beschäftigung, ein angemessener Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten sowie eine demenzgerechte Gestaltung der Umwelt („Milieutherapie“) sind für Menschen mit Demenz von besonderer Bedeutung.

In 90 % der Alzheimer-Fälle wirken unterschiedliche Faktoren bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit zusammen: erbliche Faktoren, Alterungsprozesse des Gehirns, Vorerkrankungen des Gehirns und Umwelteinflüsse. Der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten einer „sporadischen“ Alzheimer-Krankheit ist das hohe Lebensalter (ca. 65-80 Jahre). Das Risiko für eine Demenz vom Alzheimer Typ erhöht sich mit zunehmendem Lebensalter. Es gibt auch Gene, die das Auftreten der Alzheimer-Krankheit begünstigen, jedoch allein als Ursache nicht ausreichen. Bei ungefähr 30 % aller Alzheimer-Patienten finden sich weitere Betroffene in der engeren Verwandtschaft. Weniger als 2 % aller Fälle von Alzheimer-Krankheit werden dominant vererbt. In diesen seltenen „familiären“ Fällen der Alzheimer-Krankheit reicht die Veränderung (Mutation) eines einzigen Gens für die Entstehung der Krankheit aus. Bisher sind drei Gene bekannt, die bei dominant vererbten Formen der Alzheimer-Krankheit mutiert sein können: Präsenilin 1 und Präsenilin 2 auf den Chromosomen 14 bzw. 1 sowie das auf Chromosom 21 gelegene Gen für das Amyloid-Vorläufer-Molekül (APP). Menschen mit Mutationen in einem dieser drei Gene erkranken in der Regel unter 60 Jahren.

Mit dem Oberbegriff „Demenz“ wird ein Muster von Symptomen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Krankheitsursachen zugrunde liegen.
Die häufigste Ursache von „Demenz“ ist die Alzheimer Krankheit, die nach dem Psychiater Alois Alzheimer benannt wurde. Rund 60 % aller Demenzen werden durch die Alzheimer Krankheit hervorgerufen.
Die Alzheimer Krankheit ist eine hirnorganische Erkrankung. Sie führt dazu, dass in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich und fortschreitend Nervenzellen und Nervenzellkontakte zugrunde gehen. Dadurch werden die geistigen Fähigkeiten des Erkrankten, seine Möglichkeiten zur Kommunikation und Erinnerung beeinflusst. Im fortschreitenden Krankheitsverlauf können Phasen der Stabilität im Wechsel mit Perioden der Verschlechterung auftreten. Im Endstadium der Krankheit sind Menschen mit Demenz oft vollständig auf fremde Hilfe angewiesen.

Der Begriff “Demenz” leitet sich vom lateinischen ab: “de-mens” (de = “weg von”, mens = “geist”) Die medizinische Verwendung des Begriffs unterscheidet sich von der Übersetzung des Begriffs aus dem Lateinischen. In der Medizin wird „Demenz“ bezeichnet als ein andauernder oder fortschreitender Zustand, bei dem die Fähigkeiten des Gedächtnisses, des Denkens und/ oder anderer Leistungsbereiche des Gehirns beeinträchtigt sind. Oft kommt es auch zu Veränderungen des zwischenmenschlichen Verhaltens und des Antriebs.
Mit dem Begriff „Demenz“ wird ein Muster von Krankheitszeichen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, wie die Alzheimer Krankheit.

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