Düsseldorf, 26.09.2022. Wie können Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen im Alltag von Technik profitieren? Auf der Regionaltagung des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW am vergangenen Samstag in Düsseldorf lernten Interessierte aus den Mitgliedsverbänden sowie aus Pflege und Wissenschaft Möglichkeiten kennen, wie technische Lösungen das Leben mit Demenz einfacher, sicherer und reicher machen können. Die Veranstaltung am Ende der Woche der Demenz wurde deren Motto „Demenz – verbunden bleiben“ in besonderer Weise gerecht. „Unsere Regionaltagung zum Thema >Technikunterstütztes Leben mit Demenz< hat gezeigt, dass Mittel wie GPS und Apps, aber auch Fenster- und Türsensoren, mobile Sessel und Herdabschaltungen schon jetzt in guter Qualität verfügbar und dazu beitragen können, die Selbstständigkeit der Betroffenen zu erhalten und Pflegende zu entlasten. Dies setzt voraus, dass sie an die Bedürfnisse der Menschen mit Demenz angepasst und alltagstauglich sind“, erklärt der Vorsitzende von Alzheimer NRW, Dr. Peter Pick. „Wir haben aber auch eine Ahnung davon bekommen, was noch alles möglich und wünschenswert sein kann und setzen darauf, dass der in Gang gesetzte Austausch zwischen Betroffenen und Pflegenden auf der einen Seite und Forschenden sowie Anbietern auf der anderen Seite noch intensiviert wird.“ Auf der Regionaltagung war u.a. die kostenlose Tablet-App „Golden Memories“ vorgestellt worden, ein Fotospiel, das mit eigenen Aufnahmen bestückt werden kann und dazu einlädt, Erinnerungen zu beleben und zu teilen. Ein Mitarbeiter der Deutschen Alzheimer Gesellschaft hatte den cloudbasierten Sprachdienst „Alexa“ kritisch gewürdigt; an Ständen konnten Besucherinnen und Besucher die Tablet-App „Tante Laura“ sowie einen vernetzten Gehstock, einen GPS-Tracker mit Alarmfunktion und eine einfach zu bedienende Herdüberwachung kennenlernen. Ein berufstätiger Angehöriger schilderte seine Bemühungen, seinen Vater auch aus der Distanz und per Laptop dabei zu unterstützen, ein aktives Leben zu führen und dabei wichtige Abläufe und Informationen gegenwärtig zu haben. Deutlich wurde hier, wie auch bei anderen auf der Tagung vorgestellten Technik-Lösungen, wie herausfordernd es ist, auch Menschen in der fortgeschrittenen Demenz zum Umgang zu ermächtigen. In dem von der EU geförderte Projekt „Certification D“ testen Forschende zusammen mit Betroffenen und ihren Angehörigen technische Vorrichtungen, Assistenzsysteme sowie unterstützende Netzwerke und Dienstleistungen auf ihren tatsächlichen Nutzen für die Zielgruppe und geben auch kritische Rückmeldungen an die Entwickler und anbietenden
Unternehmen. Geeignete Unterstützungsmittel werden zertifiziert, um Menschen mit Demenz sowie ihren Angehörigen Orientierung und Entscheidungshilfen bei der Anschaffung zu geben. Darüber hinaus soll aber auch erreicht werden, dass Pflegekassen die zertifizierten Produkte finanzieren. Der Landesgeschäftsführer der BARMER in NRW, Heiner Beckmann betonte, dass der Katalog der von den Kranken- und Pflegekassen finanzierten Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel stetig überarbeitet und ergänzt wird. Aktuell fördern die Pflegekassen von den technischen Hilfsmitteln beispielsweise Hausnotrufe. „Wir sind sehr dankbar für all die engagierten Menschen, die ihre Ideen in den Dienst eines auch technisch unterstützten Alltags mit Demenz stellen“, sagte der Alzheimer NRW-Vorsitzende Peter Pick nach der Veranstaltung. „Der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW wird seinerseits das Wissen über geeignete technische Lösungen in Beratung und Schulungen an Interessierte weiterzugeben.“ Einigkeit bestand auf der Tagung, dass technische Hilfen eine wichtige Ergänzung sind, aber die persönlichen Hilfen durch die Pflegenden nicht ersetzen kann.
