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21. November 2022

Symposium am 21.11.2022, PM – Reformbedarf in der Pflege auf Landes- und Bundesebene

Pressemitteilung

Alzheimer NRW: Pflegereform jetzt auf den Weg bringen – Häusliche Pflege muss gestärkt werden

Düsseldorf, 21.November 2022. Schon lange gibt es in der Pflege einen Reformstau. Eine spürbar verbesserte Unterstützung und Entlastung von Pflegebedürftigen und Pflegenden ist gefordert. Dies betrifft aus Sicht von Alzheimer NRW ganz besonders Menschen mit Demenz und ihre pflegenden An- und Zugehörigen. Ihr belastender Alltag wurde in der Pandemie durch Kontaktverbote sowie ausgefallene Entlastungsangebote noch zusätzlich erschwert.

Die neue Bundesregierung aus SPD, Grünen und FDP hat sich in ihrem Koalitionsvertrag zu einer umfassenden Pflegereform bekannt, deren Eckpunkte der Landesverband unterstützt. „Allerdings sind wir enttäuscht, dass die Reform noch nicht auf den Weg gebracht ist. Wir appellieren an den Bundesgesundheitsminister und die Koalitionsfraktionen, jetzt endlich aktiv zu werden“, so Dr. Peter Pick, Vorsitzender von Alzheimer NRW.

Die Pflegebevollmächtigte des Bundes, Claudia Moll, bekundet ihre Verbundenheit mit den Anliegen von Alzheimer NRW mit den Worten: „Es ist mir ein großes Herzensanliegen, dass die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz im politischen Handeln noch stärker Berücksichtigung finden.“ Konkret setzt sie sich dafür ein, das Pflegegeld und die Pflegesachleistungen regelhaft zu erhöhen und ein flexibel nutzbares Entlastungsbudget zu schaffen. „Ohne den Dreiklang aus Stärkung der häuslichen und professionellen Pflege sowie dem Ausbau der ehrenamtlichen Unterstützung wird es zukünftig nicht gehen,“ so Moll.

Das sieht auch Peter Pick so. „Vordringlich bei der Reform ist, die häusliche Pflege zu stärken. Insbesondere verlangen wir ein höheres Pflegegeld, das die Inflation ausgleicht, und das nachhaltig“, fordert der Vorsitzende von Alzheimer NRW. „Weiter setzen wir uns für ein Entlastungsbudget in Höhe von 4.800 € im Jahr ein, das unbürokratisch gewährt wird und den Pflegebedürftigen ein Wahlrecht bei der Inanspruchnahme von Leistungen einräumt.“ Damit Pflege und Beruf für häuslich Pflegende vereinbar werden, bedarf es einer richtigen Pflegezeit. „Wir brauchen eine Regelung wie bei der Elternzeit: mir einem Rechtsanspruch auf Pflegezeit, mit staatlichen Ersatzleistungen und einem Rückkehrrecht an den Arbeitsplatz“, so Pick.

Alzheimer NRW unterstützt die Forderung nach einer besseren Personalausstattung in den Pflegeeinrichtungen sowie die Forderung der Pflegefachkräfte und der anderen Beschäftigtengruppen nach tarifgerechter Entlohnung und guten Arbeitsbedingungen. Dies wird zu steigenden Kosten und Entgelten führen. „Wir fordern, dass die Kosten der notwendigen Personalverbesserungen und der tarifgerechten Bezahlung von der Pflegeversicherung und nicht von den Pflegebedürftigen zu zahlen sind,“ so Pick.

Mit seinem Symposium zum Thema „Reformbedarf in der Pflege auf Landes- und Bundesebene“ am Montag, 21.11.2022 im Landtag von NRW – gastgebende Fraktion ist diesmal die SPD – möchte der

Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW den notwendigen Handlungsbedarf deutlich machen und die Politik in die Pflicht nehmen. Neben Vorträgen wird es auch Diskussionsrunden zu politischen Vorhaben und Forderungen geben.

In einer Podiumsdiskussion mit den gesundheitspolitischen SprecherInnen der Landtagsfraktionen von CDU, Grünen, SPD und FDP geht es um die Pläne der neuen schwarz-grünen Landesregierung, unter anderem eine verbindliche Pflegebedarfsplanung in den Kommunen und Kreisen zu verankern. Alzheimer NRW begrüßt die entsprechenden Aussagen im Zukunftsvertrag von CDU und Grünen. Verbunden ist dies mit der Erwartung, dass das Land die bestehenden Förderungen der Strukturen auf Landesebene fortführt und diese dauerhaft ausgestaltet werden. Zur Strukturplanung erwartet Alzheimer NRW, dass sie in allen Kommunen und Kreisen eingeführt und dabei die bestehenden regionalen Netze genutzt werden. Als strukturierten Hintergrund bedarf es dazu eines Landesdemenzplans. „Wir freuen uns auf fruchtbare Gespräche und Debatten mit politisch Verantwortlichen im Land“, sagt der Vorsitzende Pick.

FAQs

Für Menschen mit Demenz ist die verbleibende, altersübliche Lebenserwartung verkürzt. Eine verbindliche Angabe für die Lebenserwartung mit ausgebrochener Alzheimer-Demenz ist nicht möglich. Zwei Drittel aller Erkrankten haben bereits das 80. Lebensjahr vollendet. Fast 70 % der Erkrankten sind Frauen. Europäische Studien fanden eine mittlere Krankheitsdauer von 3-6 Jahren. Die Dauer kann jedoch stark schwanken. In einigen Fällen wurden Überlebenszeiten von 20 und mehr Jahren berichtet. Im Einzelfall lässt sich die Krankheitsdauer nicht mit hoher Zuverlässigkeit vorhersagen. Allgemein gilt, dass die Überlebenszeit umso geringer ist, je später im Leben die Erkrankung eintritt, je schwerer die Symptome sind und je mehr körperliche Begleiterscheinungen bestehen. So bedroht der Verlust an Nervenzellen im Gehirn das Leben nicht direkt. Doch begünstigt der Verlauf bei fortgeschrittener Demenz Folgeerkrankungen, z.B. eine höhere Anfälligkeit für schwere Infektionen. Nicht wenige Menschen mit Demenz sterben an einer Lungenentzündung.

Eine sorgfältige Diagnose zur Feststellung einer Alzheimer Krankheit und zum Ausschluss anderer Erkrankungen umfasst die gründliche Untersuchung des körperlichen und geistigen Zustandes. Es werden psychologische Testverfahren durchgeführt zur Prüfung von Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Wahrnehmungsfähigkeit. Es werden Laborbestimmungen vorgenommen sowie bildgebende Verfahren (CT oder MRT) eingesetzt. Besonders wichtig ist das Gespräch mit Betroffenen und Angehörigen (Anamnese). Die Diagnose kann von erfahrenen Ärzten bzw. Fachärzten für Neurologie und Psychiatrie gestellt werden. Gedächtnisambulanzen (auch „Gedächtnissprechstunden“ oder „Memory Kliniken“ genannt) sind spezialisierte Einrichtungen zur Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen.

Es gibt bislang keinen Schutz davor, an Demenz vom Typ Alzheimer zu erkranken. Aber es gibt einige Faktoren, die das Erkrankungsrisiko – wie für andere Erkrankungen auch – verringern können. Dazu gehört eine körperlich und psychisch gesunde Lebensweise: – Geistige, körperliche und soziale Aktivität, – ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Carotin – Fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren – die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus – Vermeidung von Übergewicht – Vermeidung von regelmäßigem Konsum von Genussgiften, die nachweislich die Gefäße verengen (z.B. Nikotin, Alkohol)

Es ist zurzeit noch nicht möglich, eine Demenz, die durch die Alzheimer-Krankheit ausgelöst wird, zu heilen. Das Absterben der Hirnzellen kann mit den bestehenden medizinischen Möglichkeiten nicht verhindert werden. Es besteht aber die Möglichkeit, auf den Krankheitsverlauf einzuwirken und das Fortschreiten der Symptome vorübergehend hinauszuzögern. Medikamente, sogenannte Antidementiva, können die geistige Leistungsfähigkeit ungefähr ein Jahr aufrechterhalten und sich positiv auf die Bewältigung des Alltags auswirken. Therapeutische Maßnahmen, wie Ergotherapie, Logotherapie (Sprachtherapie) und Krankengymnastik (vom Arzt verordnet) können die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen verbessern und Verhaltensstörungen lindern. Hilfreich können Musik- und Kunsttherapie, Verhaltenstherapie, Selbst-Erhaltungs-Therapie oder Erinnerungstherapie sein. Die Persönlichkeit und individuellen Besonderheiten der Erkrankten sollten dabei stets berücksichtigt werden. Medikamentös und therapeutisch behandelte Menschen mit Demenz vom Alzheimer Typ können ihre Ressourcen länger erhalten, als unbehandelte Patienten. Menschliche Zuwendung, Aktivierung und Beschäftigung, ein angemessener Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten sowie eine demenzgerechte Gestaltung der Umwelt („Milieutherapie“) sind für Menschen mit Demenz von besonderer Bedeutung.

In 90 % der Alzheimer-Fälle wirken unterschiedliche Faktoren bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit zusammen: erbliche Faktoren, Alterungsprozesse des Gehirns, Vorerkrankungen des Gehirns und Umwelteinflüsse. Der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten einer „sporadischen“ Alzheimer-Krankheit ist das hohe Lebensalter (ca. 65-80 Jahre). Das Risiko für eine Demenz vom Alzheimer Typ erhöht sich mit zunehmendem Lebensalter. Es gibt auch Gene, die das Auftreten der Alzheimer-Krankheit begünstigen, jedoch allein als Ursache nicht ausreichen. Bei ungefähr 30 % aller Alzheimer-Patienten finden sich weitere Betroffene in der engeren Verwandtschaft. Weniger als 2 % aller Fälle von Alzheimer-Krankheit werden dominant vererbt. In diesen seltenen „familiären“ Fällen der Alzheimer-Krankheit reicht die Veränderung (Mutation) eines einzigen Gens für die Entstehung der Krankheit aus. Bisher sind drei Gene bekannt, die bei dominant vererbten Formen der Alzheimer-Krankheit mutiert sein können: Präsenilin 1 und Präsenilin 2 auf den Chromosomen 14 bzw. 1 sowie das auf Chromosom 21 gelegene Gen für das Amyloid-Vorläufer-Molekül (APP). Menschen mit Mutationen in einem dieser drei Gene erkranken in der Regel unter 60 Jahren.

Mit dem Oberbegriff „Demenz“ wird ein Muster von Symptomen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Krankheitsursachen zugrunde liegen.
Die häufigste Ursache von „Demenz“ ist die Alzheimer Krankheit, die nach dem Psychiater Alois Alzheimer benannt wurde. Rund 60 % aller Demenzen werden durch die Alzheimer Krankheit hervorgerufen.
Die Alzheimer Krankheit ist eine hirnorganische Erkrankung. Sie führt dazu, dass in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich und fortschreitend Nervenzellen und Nervenzellkontakte zugrunde gehen. Dadurch werden die geistigen Fähigkeiten des Erkrankten, seine Möglichkeiten zur Kommunikation und Erinnerung beeinflusst. Im fortschreitenden Krankheitsverlauf können Phasen der Stabilität im Wechsel mit Perioden der Verschlechterung auftreten. Im Endstadium der Krankheit sind Menschen mit Demenz oft vollständig auf fremde Hilfe angewiesen.

Der Begriff “Demenz” leitet sich vom lateinischen ab: “de-mens” (de = “weg von”, mens = “geist”) Die medizinische Verwendung des Begriffs unterscheidet sich von der Übersetzung des Begriffs aus dem Lateinischen. In der Medizin wird „Demenz“ bezeichnet als ein andauernder oder fortschreitender Zustand, bei dem die Fähigkeiten des Gedächtnisses, des Denkens und/ oder anderer Leistungsbereiche des Gehirns beeinträchtigt sind. Oft kommt es auch zu Veränderungen des zwischenmenschlichen Verhaltens und des Antriebs.
Mit dem Begriff „Demenz“ wird ein Muster von Krankheitszeichen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, wie die Alzheimer Krankheit.

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