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16. September 2021

Pressemeldung „Genau hinsehen – neben den Menschen auch die Pflegeinfrastruktur in den Blick nehmen!“

Pressemitteilung

Düsseldorf, 16. September 2021. Am 21.9., dem Welt-Alzheimertag und in der Woche der Demenz vom 20.-26.9. macht auch der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW e.V. wieder auf die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen aufmerksam.

Das Motto „Demenz – genau hinsehen!“ fordert dazu auf, Menschen mit dieser Erkrankung weiterhin als Persönlichkeit, zu vielem befähigt und mit dem Wunsch nach Selbstbestimmung und Teilhabe wertzuschätzen und den Blick nicht auf ihre Einschränkungen zu verengen. Genau hinzusehen, heißt achtsam zu kommunizieren: den Blickkontakt zu suchen, langsamer zu reden, einfache Worte zu wählen und geduldig zu sein. Es heißt auch, aufmerksam zu sein, wenn jemand im Bus, auf der Straße oder im Supermarkt Unterstützung benötigt.

Achtsamkeit ist auch im Vorfeld geboten, etwa, wenn Menschen plötzlich vergesslich werden, anderen unberechtigte Vorwürfe machen oder sich aus vorher geschätzten Aktivitäten zurückziehen. Ärztliche Untersuchungen und eine Diagnose können den Weg zu vielerlei Unterstützungsleistungen bahnen und krankheitswertige Befunde, die therapierbar sind, einer Behandlung zuführen.

„Mit seinen Informationsangeboten, Schulungen, Beratungen und der Förderung von Selbsthilfe geht der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW auf diese Bedürfnisse und Erfordernisse ein und leistet so einen wichtigen Beitrag dazu, dass Menschen mit Demenz in Würde leben können“, erklärt Regina Schmidt-Zadel, Vorsitzende von Alzheimer NRW. „Als Interessenverband ist es uns aber auch wichtig, weiter auf gute Rahmenbedingungen für Menschen mit einer Demenz und ihre Familien zu dringen. Das Motto >genau hinsehen< verstehen wir auch als Aufforderung, die Gesundheitspolitik und insbesondere die Gestaltung der Pflege kritisch zu betrachten. Hier ist noch viel Luft nach oben!“

Noch steht sie aus, die solidarische Pflegereform, die Pflegebedürftigen eine echte Wahl bietet, ob sie sich ambulant oder stationär betreuen lassen möchten. Eine Pflegereform, die stationäre Pflege bezahlbar macht und eine Betreuung zuhause ermöglicht, für die pflegende Angehörige nicht Gesundheit und soziale Sicherheit riskieren müssen.

„Auch die Politik riskiert viel, wenn sie besonders die häusliche Pflege so im Stich lässt, wie gerade wieder in der Pandemie deutlich wurde“, warnt Regina Schmidt-Zadel. „Denn die Angehörigen bilden das Rückgrat der Pflege. Das darf nicht weiter so überlastet werden. Sonst bricht es am Ende.“

Die langjährige Gesundheitspolitikerin hat wiederholt bemängelt, dass der hohe Einsatz der Angehörigen in der Pandemie nicht honoriert worden sei. Tages- und Nacht- sowie Kurzzeit-Pflegestellen hatten zeitweise nicht zur Verfügung gestanden und Behandlungen wie Physio- und Ergotherapie war für die Menschen mit Demenz schlicht ausgefallen. Wie schlecht es den Menschen mit Demenz und ihren Familien in der Coronazeit ging, habe soeben die vom VdK beauftragte Studie der Hochschule Osnabrück ein weiteres Mal belegt.

Die Vorsitzende von Alzheimer NRW hat immer wieder, zuletzt in den Wahlprüfsteinen des Landesverbandes, eine solidarische Pflegereform gefordert. Die Kosten, die im Heim betreute

Menschen aufzubringen haben, müssten spürbar begrenzt werden. Pflegende Angehörige bräuchten ein vor Armut schützendes Grundeinkommen bzw. Lohnersatzleistungen mindestens analog zum Elterngeld. Entlastungsangebote wie die Tages- und Kurzzeitpflege müssten verlässlich und in ausreichender Zahl zur Verfügung stehen und mit einem Entlastungsbudget dem Bedarf entsprechend abgerufen werden können.

„>Demenz – genau hinsehen!<“, das ist nicht nur eine Aufforderung an uns alle, Menschen mit Demenz aufmerksam und wertschätzend zu begegnen. Das verlangen wir über die jetzt anstehende Bundestagswahl hinaus auch mit Nachdruck von der Bundes- wie der Landespolitik.“

FAQs

Für Menschen mit Demenz ist die verbleibende, altersübliche Lebenserwartung verkürzt. Eine verbindliche Angabe für die Lebenserwartung mit ausgebrochener Alzheimer-Demenz ist nicht möglich. Zwei Drittel aller Erkrankten haben bereits das 80. Lebensjahr vollendet. Fast 70 % der Erkrankten sind Frauen. Europäische Studien fanden eine mittlere Krankheitsdauer von 3-6 Jahren. Die Dauer kann jedoch stark schwanken. In einigen Fällen wurden Überlebenszeiten von 20 und mehr Jahren berichtet. Im Einzelfall lässt sich die Krankheitsdauer nicht mit hoher Zuverlässigkeit vorhersagen. Allgemein gilt, dass die Überlebenszeit umso geringer ist, je später im Leben die Erkrankung eintritt, je schwerer die Symptome sind und je mehr körperliche Begleiterscheinungen bestehen. So bedroht der Verlust an Nervenzellen im Gehirn das Leben nicht direkt. Doch begünstigt der Verlauf bei fortgeschrittener Demenz Folgeerkrankungen, z.B. eine höhere Anfälligkeit für schwere Infektionen. Nicht wenige Menschen mit Demenz sterben an einer Lungenentzündung.

Eine sorgfältige Diagnose zur Feststellung einer Alzheimer Krankheit und zum Ausschluss anderer Erkrankungen umfasst die gründliche Untersuchung des körperlichen und geistigen Zustandes. Es werden psychologische Testverfahren durchgeführt zur Prüfung von Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Wahrnehmungsfähigkeit. Es werden Laborbestimmungen vorgenommen sowie bildgebende Verfahren (CT oder MRT) eingesetzt. Besonders wichtig ist das Gespräch mit Betroffenen und Angehörigen (Anamnese). Die Diagnose kann von erfahrenen Ärzten bzw. Fachärzten für Neurologie und Psychiatrie gestellt werden. Gedächtnisambulanzen (auch „Gedächtnissprechstunden“ oder „Memory Kliniken“ genannt) sind spezialisierte Einrichtungen zur Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen.

Es gibt bislang keinen Schutz davor, an Demenz vom Typ Alzheimer zu erkranken. Aber es gibt einige Faktoren, die das Erkrankungsrisiko – wie für andere Erkrankungen auch – verringern können. Dazu gehört eine körperlich und psychisch gesunde Lebensweise: – Geistige, körperliche und soziale Aktivität, – ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Carotin – Fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren – die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus – Vermeidung von Übergewicht – Vermeidung von regelmäßigem Konsum von Genussgiften, die nachweislich die Gefäße verengen (z.B. Nikotin, Alkohol)

Es ist zurzeit noch nicht möglich, eine Demenz, die durch die Alzheimer-Krankheit ausgelöst wird, zu heilen. Das Absterben der Hirnzellen kann mit den bestehenden medizinischen Möglichkeiten nicht verhindert werden. Es besteht aber die Möglichkeit, auf den Krankheitsverlauf einzuwirken und das Fortschreiten der Symptome vorübergehend hinauszuzögern. Medikamente, sogenannte Antidementiva, können die geistige Leistungsfähigkeit ungefähr ein Jahr aufrechterhalten und sich positiv auf die Bewältigung des Alltags auswirken. Therapeutische Maßnahmen, wie Ergotherapie, Logotherapie (Sprachtherapie) und Krankengymnastik (vom Arzt verordnet) können die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen verbessern und Verhaltensstörungen lindern. Hilfreich können Musik- und Kunsttherapie, Verhaltenstherapie, Selbst-Erhaltungs-Therapie oder Erinnerungstherapie sein. Die Persönlichkeit und individuellen Besonderheiten der Erkrankten sollten dabei stets berücksichtigt werden. Medikamentös und therapeutisch behandelte Menschen mit Demenz vom Alzheimer Typ können ihre Ressourcen länger erhalten, als unbehandelte Patienten. Menschliche Zuwendung, Aktivierung und Beschäftigung, ein angemessener Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten sowie eine demenzgerechte Gestaltung der Umwelt („Milieutherapie“) sind für Menschen mit Demenz von besonderer Bedeutung.

In 90 % der Alzheimer-Fälle wirken unterschiedliche Faktoren bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit zusammen: erbliche Faktoren, Alterungsprozesse des Gehirns, Vorerkrankungen des Gehirns und Umwelteinflüsse. Der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten einer „sporadischen“ Alzheimer-Krankheit ist das hohe Lebensalter (ca. 65-80 Jahre). Das Risiko für eine Demenz vom Alzheimer Typ erhöht sich mit zunehmendem Lebensalter. Es gibt auch Gene, die das Auftreten der Alzheimer-Krankheit begünstigen, jedoch allein als Ursache nicht ausreichen. Bei ungefähr 30 % aller Alzheimer-Patienten finden sich weitere Betroffene in der engeren Verwandtschaft. Weniger als 2 % aller Fälle von Alzheimer-Krankheit werden dominant vererbt. In diesen seltenen „familiären“ Fällen der Alzheimer-Krankheit reicht die Veränderung (Mutation) eines einzigen Gens für die Entstehung der Krankheit aus. Bisher sind drei Gene bekannt, die bei dominant vererbten Formen der Alzheimer-Krankheit mutiert sein können: Präsenilin 1 und Präsenilin 2 auf den Chromosomen 14 bzw. 1 sowie das auf Chromosom 21 gelegene Gen für das Amyloid-Vorläufer-Molekül (APP). Menschen mit Mutationen in einem dieser drei Gene erkranken in der Regel unter 60 Jahren.

Mit dem Oberbegriff „Demenz“ wird ein Muster von Symptomen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Krankheitsursachen zugrunde liegen.
Die häufigste Ursache von „Demenz“ ist die Alzheimer Krankheit, die nach dem Psychiater Alois Alzheimer benannt wurde. Rund 60 % aller Demenzen werden durch die Alzheimer Krankheit hervorgerufen.
Die Alzheimer Krankheit ist eine hirnorganische Erkrankung. Sie führt dazu, dass in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich und fortschreitend Nervenzellen und Nervenzellkontakte zugrunde gehen. Dadurch werden die geistigen Fähigkeiten des Erkrankten, seine Möglichkeiten zur Kommunikation und Erinnerung beeinflusst. Im fortschreitenden Krankheitsverlauf können Phasen der Stabilität im Wechsel mit Perioden der Verschlechterung auftreten. Im Endstadium der Krankheit sind Menschen mit Demenz oft vollständig auf fremde Hilfe angewiesen.

Der Begriff “Demenz” leitet sich vom lateinischen ab: “de-mens” (de = “weg von”, mens = “geist”) Die medizinische Verwendung des Begriffs unterscheidet sich von der Übersetzung des Begriffs aus dem Lateinischen. In der Medizin wird „Demenz“ bezeichnet als ein andauernder oder fortschreitender Zustand, bei dem die Fähigkeiten des Gedächtnisses, des Denkens und/ oder anderer Leistungsbereiche des Gehirns beeinträchtigt sind. Oft kommt es auch zu Veränderungen des zwischenmenschlichen Verhaltens und des Antriebs.
Mit dem Begriff „Demenz“ wird ein Muster von Krankheitszeichen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, wie die Alzheimer Krankheit.

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