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30. Juni 2021

Pressemeldung “24-Stunden-Kräfte – jetzt mit Pflegereform menschenunwürdige Verhältnisse in der Pflege beenden!” vom 30.06.2021

Pressemitteilung

Düsseldorf, 30. Juni 2021. Das Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 24.6.2021 hat viele Familien, die ihre pflegebedürftigen Angehörigen durch so genannte 24-Stunden-Kräfte aus dem Ausland betreuen lassen, in große Unruhe gestürzt. Viele fürchten, dass womöglich hohe Nachzahlungsforderungen auf sie zukommen und sie sich diese Unterstützung künftig nicht mehr leisten können.

„Dabei geht es oftmals gar nicht ohne die Hilfe osteuropäischer Betreuungskräfte, die mit im Haushalt wohnen!“, weiß Regina Schmidt-Zadel, Vorsitzende des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW, aus vielen Gesprächen mit Betroffenen. „Und das ist auch der Politik seit langem bekannt.“

Das Urteil und die Ängste der Familien seien vermeidbar gewesen, wenn die zuständigen Minister, allen voran der Bundesgesundheitsminister, beizeiten ihre Verantwortung wahrgenommen und eine solidarische Pflegereform angestoßen hätten. „Gerade Menschen, die Angehörige mit Demenz zu Hause pflegen, sind oft überlastet und ruinieren auf die Dauer auch ihre eigene Gesundheit. Sie bräuchten eine Pflegeversicherung im Rücken, die für spürbare Entlastung wirklich aufkommt und die dazu passenden Angebote, die auch tatsächlich zur Verfügung stehen,“ erklärt die langjährige Gesundheitspolitikerin. Stattdessen lasse die Politik die pflegenden Angehörigen mit ihren Problemen seit Jahren allein. „Kurzzeitpflegestellen, die nur auf dem Papier stehen, aber so gut wie nie zu bekommen sind, wenn man sie braucht und z.B. auch rückzahlbare Darlehen für Menschen, die zugunsten der Pflege von Angehörigen für längere Zeit auf ihr Einkommen verzichten, entlarven eine Politik, die sich nicht traut, das immer virulenter werdende Problem bezahlbarer und bedarfsgerechter Altenpflege in Angriff zu nehmen“, so Regina Schmidt-Zadel.

Dieser Missstand zwingt besonders Angehörige von Menschen mit Demenz zu allerlei Notlösungen. Häufig brauchen die Betroffenen viel Betreuung und sind zugleich für ihre seelische Stabilität auf das gewohnte Umfeld angewiesen. Altgewordene Partner können den Pflege- und Hausarbeitsaufwand nicht mehr alleine leisten, Söhne und Töchter wohnen häufig weit entfernt oder sind berufstätig, müssen sich zudem um eigene Kinder kümmern. Nach Expertenschätzungen arbeiten hierzulande mindestens 300.000 ausländische Arbeitskräfte in der häuslichen Betreuung, zumeist Frauen aus osteuropäischen Staaten, oft illegal beschäftigt, fast immer schlecht bezahlt.

„Ich finde es richtig, wenn sich Menschen gegen Ausbeutung wehren“, stellt die Vorsitzende von Alzheimer NRW klar, „zumal, wenn sie, wie die Klägerin aus Bulgarien, mit einem Hungerlohn für eine Rund- um-die Uhr-Betreuung abgespeist werden.“ Die Frau war nur für 30 Wochenstunden bezahlt worden, und hatte dafür noch nicht einmal den Mindestlohn erhalten. Das Gericht sprach ihr jetzt das Recht zu, für die tatsächlich geleistete Arbeitszeit und sogar für Bereitschaftszeiten nachträglich eine Bezahlung zu verlangen. Dass dies vermutlich zigtausend Euro sein werden, hatte viele Familien mit Pflegebedürftigen in der eigenen Häuslichkeit erschreckt.

„Nun muss die Politik die heiße Kartoffel endlich anpacken“, betont die Vorsitzende von Alzheimer NRW, „und mit bedarfsdeckendem Pflegegeld, Lohnersatzleistungen für Pflegezeiten und verlässlichen Hilfsangeboten eine Pflegelandschaft gestalten, in der weder ausländische Betreuungskräfte noch pflegende Angehörige auf der Strecke bleiben.“

FAQs

Für Menschen mit Demenz ist die verbleibende, altersübliche Lebenserwartung verkürzt. Eine verbindliche Angabe für die Lebenserwartung mit ausgebrochener Alzheimer-Demenz ist nicht möglich. Zwei Drittel aller Erkrankten haben bereits das 80. Lebensjahr vollendet. Fast 70 % der Erkrankten sind Frauen. Europäische Studien fanden eine mittlere Krankheitsdauer von 3-6 Jahren. Die Dauer kann jedoch stark schwanken. In einigen Fällen wurden Überlebenszeiten von 20 und mehr Jahren berichtet. Im Einzelfall lässt sich die Krankheitsdauer nicht mit hoher Zuverlässigkeit vorhersagen. Allgemein gilt, dass die Überlebenszeit umso geringer ist, je später im Leben die Erkrankung eintritt, je schwerer die Symptome sind und je mehr körperliche Begleiterscheinungen bestehen. So bedroht der Verlust an Nervenzellen im Gehirn das Leben nicht direkt. Doch begünstigt der Verlauf bei fortgeschrittener Demenz Folgeerkrankungen, z.B. eine höhere Anfälligkeit für schwere Infektionen. Nicht wenige Menschen mit Demenz sterben an einer Lungenentzündung.

Eine sorgfältige Diagnose zur Feststellung einer Alzheimer Krankheit und zum Ausschluss anderer Erkrankungen umfasst die gründliche Untersuchung des körperlichen und geistigen Zustandes. Es werden psychologische Testverfahren durchgeführt zur Prüfung von Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Wahrnehmungsfähigkeit. Es werden Laborbestimmungen vorgenommen sowie bildgebende Verfahren (CT oder MRT) eingesetzt. Besonders wichtig ist das Gespräch mit Betroffenen und Angehörigen (Anamnese). Die Diagnose kann von erfahrenen Ärzten bzw. Fachärzten für Neurologie und Psychiatrie gestellt werden. Gedächtnisambulanzen (auch „Gedächtnissprechstunden“ oder „Memory Kliniken“ genannt) sind spezialisierte Einrichtungen zur Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen.

Es gibt bislang keinen Schutz davor, an Demenz vom Typ Alzheimer zu erkranken. Aber es gibt einige Faktoren, die das Erkrankungsrisiko – wie für andere Erkrankungen auch – verringern können. Dazu gehört eine körperlich und psychisch gesunde Lebensweise: – Geistige, körperliche und soziale Aktivität, – ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Carotin – Fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren – die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus – Vermeidung von Übergewicht – Vermeidung von regelmäßigem Konsum von Genussgiften, die nachweislich die Gefäße verengen (z.B. Nikotin, Alkohol)

Es ist zurzeit noch nicht möglich, eine Demenz, die durch die Alzheimer-Krankheit ausgelöst wird, zu heilen. Das Absterben der Hirnzellen kann mit den bestehenden medizinischen Möglichkeiten nicht verhindert werden. Es besteht aber die Möglichkeit, auf den Krankheitsverlauf einzuwirken und das Fortschreiten der Symptome vorübergehend hinauszuzögern. Medikamente, sogenannte Antidementiva, können die geistige Leistungsfähigkeit ungefähr ein Jahr aufrechterhalten und sich positiv auf die Bewältigung des Alltags auswirken. Therapeutische Maßnahmen, wie Ergotherapie, Logotherapie (Sprachtherapie) und Krankengymnastik (vom Arzt verordnet) können die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen verbessern und Verhaltensstörungen lindern. Hilfreich können Musik- und Kunsttherapie, Verhaltenstherapie, Selbst-Erhaltungs-Therapie oder Erinnerungstherapie sein. Die Persönlichkeit und individuellen Besonderheiten der Erkrankten sollten dabei stets berücksichtigt werden. Medikamentös und therapeutisch behandelte Menschen mit Demenz vom Alzheimer Typ können ihre Ressourcen länger erhalten, als unbehandelte Patienten. Menschliche Zuwendung, Aktivierung und Beschäftigung, ein angemessener Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten sowie eine demenzgerechte Gestaltung der Umwelt („Milieutherapie“) sind für Menschen mit Demenz von besonderer Bedeutung.

In 90 % der Alzheimer-Fälle wirken unterschiedliche Faktoren bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit zusammen: erbliche Faktoren, Alterungsprozesse des Gehirns, Vorerkrankungen des Gehirns und Umwelteinflüsse. Der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten einer „sporadischen“ Alzheimer-Krankheit ist das hohe Lebensalter (ca. 65-80 Jahre). Das Risiko für eine Demenz vom Alzheimer Typ erhöht sich mit zunehmendem Lebensalter. Es gibt auch Gene, die das Auftreten der Alzheimer-Krankheit begünstigen, jedoch allein als Ursache nicht ausreichen. Bei ungefähr 30 % aller Alzheimer-Patienten finden sich weitere Betroffene in der engeren Verwandtschaft. Weniger als 2 % aller Fälle von Alzheimer-Krankheit werden dominant vererbt. In diesen seltenen „familiären“ Fällen der Alzheimer-Krankheit reicht die Veränderung (Mutation) eines einzigen Gens für die Entstehung der Krankheit aus. Bisher sind drei Gene bekannt, die bei dominant vererbten Formen der Alzheimer-Krankheit mutiert sein können: Präsenilin 1 und Präsenilin 2 auf den Chromosomen 14 bzw. 1 sowie das auf Chromosom 21 gelegene Gen für das Amyloid-Vorläufer-Molekül (APP). Menschen mit Mutationen in einem dieser drei Gene erkranken in der Regel unter 60 Jahren.

Mit dem Oberbegriff „Demenz“ wird ein Muster von Symptomen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Krankheitsursachen zugrunde liegen.
Die häufigste Ursache von „Demenz“ ist die Alzheimer Krankheit, die nach dem Psychiater Alois Alzheimer benannt wurde. Rund 60 % aller Demenzen werden durch die Alzheimer Krankheit hervorgerufen.
Die Alzheimer Krankheit ist eine hirnorganische Erkrankung. Sie führt dazu, dass in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich und fortschreitend Nervenzellen und Nervenzellkontakte zugrunde gehen. Dadurch werden die geistigen Fähigkeiten des Erkrankten, seine Möglichkeiten zur Kommunikation und Erinnerung beeinflusst. Im fortschreitenden Krankheitsverlauf können Phasen der Stabilität im Wechsel mit Perioden der Verschlechterung auftreten. Im Endstadium der Krankheit sind Menschen mit Demenz oft vollständig auf fremde Hilfe angewiesen.

Der Begriff “Demenz” leitet sich vom lateinischen ab: “de-mens” (de = “weg von”, mens = “geist”) Die medizinische Verwendung des Begriffs unterscheidet sich von der Übersetzung des Begriffs aus dem Lateinischen. In der Medizin wird „Demenz“ bezeichnet als ein andauernder oder fortschreitender Zustand, bei dem die Fähigkeiten des Gedächtnisses, des Denkens und/ oder anderer Leistungsbereiche des Gehirns beeinträchtigt sind. Oft kommt es auch zu Veränderungen des zwischenmenschlichen Verhaltens und des Antriebs.
Mit dem Begriff „Demenz“ wird ein Muster von Krankheitszeichen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, wie die Alzheimer Krankheit.

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