Experten befürchten, dass in Kürze bis zu 200.000 alte Menschen, viele von ihnen an einer Demenz erkrankt, nicht mehr zuhause versorgt werden können.
Der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften Nordrhein-Westfalen hat in dieser angespannten und besorgniserregenden Situation Vorschläge erarbeitet, wie ein Notstand womöglich noch abgewendet werden kann:
- Einsatzbereite Pflegekräfte aus dem Ausland sollten – analog zu den Rückholaktionen von im Ausland gestrandeten Deutschen – mit Flugzeugen ins Land gebracht werden.
- Diejenigen, die jetzt ihren Beruf für die Pflege ihrer an Demenz erkrankten Partner, Eltern oder Kinder hintanstellen, sollen sicher sein können, dass sie, ohne Nachteile zu erleiden, ihren Arbeitsplatz wieder einnehmen können. Die Pflegetätigkeit darf nicht zu Entlassungen führen!
- Nicht berufstätige Pflegepersonen müssen finanziell abgesichert werden. Das ist eine unsere Forderung, die über die augenblickliche Situation hinaus geht. Eine entsprechende Zusicherung jetzt könnte allerdings für die gerade so wichtige Zuversicht und das Gefühl, wertgeschätzt zu werden, bei den pflegenden Angehörigen sorgen.
- Menschen, die mit den besonders gefährdeten Pflegebedürftigen arbeiten, sollten bevorzugt und schnell auf den COVID-19-Virus getestet werden. Ihnen sowie auch den Gepflegten sollten in Absprache mit dem Arzt Pneumokokken-Impfungen angeboten werden, die gegen eine bakterielle Lungenentzündung helfen.
- Beratung und Unterstützung muss auch bei zugewanderten Familien mit an Demenz erkrankten Mitgliedern ankommen. Dafür sind kultursensible Sprachmittler einzusetzen.
- Menschen mit Hilfebedarf – und ganz besonders die Angehörigen von pflegebedürftigen Menschen mit Demenz – brauchen eine gut erreichbare Anlaufstelle bei Fragen und in kritischen Situationen. Nach dem Vorbild einiger Bundesländer wie Bayern und Hessen sollten überall im Land Krisentelefone eingerichtet werden. Diese müssen mit Fachleuten unterschiedlicher Professionen besetzt sein, die sowohl seelsorgerisch, psychologisch und medizinisch beraten können.
- Gewalt wird, da gerade viele Menschen von der Situation überfordert sind, in allen Bereichen, auch in der Pflege, zunehmen. Auch dafür sind Beraterinnen und Berater zu sensibilisieren.
- Um genügend Kapazitäten zu bekommen, sollten Psychologen und Mediziner sowie weitere Helfer in der Ausbildung für eine vorgezogene Tätigkeit in dem angestrebten Beruf gewonnen werden.
- Therapieplätze werden auch in er Folge der Corona-Krise dringend gebraucht werden. Schon jetzt gilt es Vorkehrungen zu treffen, dass Psychotherapieplätze ohne große Wartezeit verfügbar sein werden.
„Diese Vorschläge habe ich mit hoher Dringlichkeit heute im Bundesgesundheitsministerium vorgebracht“, sagte die Vorsitzende von Alzheimer NRW, Regina Schmidt-Zadel, am Mittwoch in
Düsseldorf. „Wir sind in großer Sorge, dass ohne ein entschlossenes Handeln der Politik die Corona-Krise auch zu einem dramatischen Notstand in der häuslichen Pflege führen wird.“
Die Vorschläge des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften Nordrhein-Westfalen können ausführlicher auch auf der Verbandsseite https://alzheimer-nrw.de nachgelesen werden.
