Alzheimer NRW fordert Kontrollen in Pflegeheimen schnell wieder aufzunehmen
Düsseldorf, 19.08.2020. Seit Mitte März sind im Zuge der Corona-Schutzmaßnahmen die Qualitätskontrollen in Pflegeheimen durch den Medizinischen Dienst der Kassen ausgesetzt. Zu lange, findet Alzheimer NRW. „Mängeln in der Pflege muss auch in Krisenzeiten nachgegangen werden“, sagt Regina Schmidt-Zadel, Vorsitzende des Landesverbands der Alzheimer Gesellschaften NRW. Der Verband fordert daher, den sogenannten Pflege-TÜV – unter Einhaltung der entsprechenden Hygieneregeln – unverzüglich wieder aufzunehmen. „Die Mehrheit der Pflegeeinrichtungen hat in der Krise enorme Kraftanstrengungen aufgebracht und Großartiges geleistet“, betont die Vorsitzende von Alzheimer NRW. „Doch wo in Einzelfällen Missstände bestehen, fehlt durch den Stopp der Regelkontrollen und anlassbezogenen Prüfungen ein wirksames Kontrollinstrument.“ In Deutschland gibt es rund 14.000 Pflegeeinrichtungen, deren pflegerische Qualität der Medizinische Dienst (MDK) und die Heimaufsichten überwachen. Um das Personal in den Heimen zu entlasten und die Bewohner vor Corona-Infektionen zu schützen, hatte das Bundesgesundheitsministerium im März beschlossen, die Regelkontrollen durch den MDK bis Ende September auszusetzen. Anlassbezogene Prüfungen sollten nur erfolgen, wenn den Pflegekassen Missstände in einzelnen Einrichtungen gemeldet werden. In der Folge, so hat das TV-Magazin Report Mainz recherchiert, werde in den Heimen kaum noch kontrolliert, wie es um die Qualität der Pflege bestellt ist. Gerade einmal 51 anlassbezogene Prüfungen habe der MDK seit Mitte März deutschlandweit durchgeführt. Das sei mehr als die Hälfte (56%) weniger als im Vergleichszeitraum der letzten drei Jahre. Auch die Heimaufsicht hat ihre anlassbezogenen Kontrollbesuche laut ARD merklich reduziert. „Die Zahlen sind alarmierend“, sagt Regina Schmidt-Zadel, Vorsitzende von Alzheimer NRW. „Sie decken sich aber mit dem, was Angehörigen uns in den letzten Monaten berichtet haben.“ Ähnlich sieht es auch der Sozialwissenschaftler Stefan Sell von der Hochschule Koblenz: „Die Ergebnisse sind gelinde gesagt dramatisch, vor dem Hintergrund, dass wir in den vergangenen Wochen und Monaten in vielen Pflegeheimen einen quasi rechtsfreien Raum hatten.” Angehörige sorgen sich um das Wohl der Pflegebedürftigen Da viele Familien ihre im Heim lebenden Angehörigen wegen des corona-bedingten Betretungsverbots wochenlang nicht besuchen durften, fehlte ihnen die Möglichkeit sich vor Ort selbst von deren Wohl zu überzeugen. „In unseren Beratungen erzählten viele, dass sich der Gesundheitszustand ihrer pflegebedürftigen Angehörigen während der Pandemie deutlich verschlechtert habe“, sagt Regina Schmidt-Zadel. Oft seien es ja die Söhne, Töchter, Partner oder Freunde, die die stationäre Pflege elementar ergänzen. Sie helfen beim Essen, gehen mit Pflegebedürftigen spazieren, lesen vor, hören zu und leisten Gesellschaft – Dinge, für denen den Pflegekräften im eng getakteten Stationsalltag und wegen der zusätzlichen Hygiene- und Schutzmaßnahmen schlicht die Zeit fehle. „Gerade für Menschen mit Demenz ist diese Zuwendung jedoch überlebenswichtig“, erklärt Regina Schmidt-Zadel. „Satt und sauber“ reiche da nicht. Das Bundesgesundheitsministerium plant, die Regelkontrollen ab 1. Oktober wieder einzuführen. „Doch für Menschen im Heim zählt jeder Tag“, so Schmidt-Zadel. Aus ihrer Sicht spricht nichts dagegen, die Regelkontrollen und anlassbezogenen Prüfungen schon jetzt wieder hochzufahren. „Die Pflegebedürftigen haben ein Recht auf gesicherte und gute Versorgung“, so Schmidt-Zadel.
