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17. September 2020

PM “Demenz – Wir müssen reden!” – Alzheimer NRW zum Welt-Alzheimer-Tag am 21.09._17.09.2020

Pressemitteilung

Alzheimer NRW zum Welt-Alzheimer-Tag am 21. September

Düsseldorf, 17.09.2020. Seit „Wir müssen reden!“ – unter diesem Motto steht der Welt-Alzheimer-Tag 2020. Reden war in den zurückliegenden Monaten durch die Corona-Beschränkungen für Demenzerkrankte und ihre Familien oft schwer möglich. Doch gerade Menschen mit Demenz sind besonders auf Kommunikation und soziale Kontakte angewiesen. „Viele Menschen wissen noch immer wenig über Demenz und die Situation Betroffener und ihrer pflegenden Angehörigen“, erklärt Regina Schmidt-Zadel, Vorsitzende des Landesverbands der Alzheimer Gesellschaft NRW. „Hier braucht es Aufklärung und Information, damit Menschen mit Demenz sozial teilhaben und selbstbestimmt leben können“, so Schmidt-Zadel. Genau darum geht es am Welt-Alzheimer-Tag.

„Im Alltag treffen Menschen mit Demenz häufig auf Vorurteile und Diskriminierung – ob beim Einkaufen, unterwegs in Bus und Bahn oder beim Besuch kultureller Veranstaltungen“, weiß Regina Schmidt-Zadel, Vorstandsvorsitzende von Alzheimer NRW. Weil Wissen fehle, reagierten Viele verständnislos auf das mitunter wunderliche Verhalten demenziell veränderter Menschen. „Menschen mit Demenz wollen dazugehören, Hobbys und Kontakte pflegen und ihren Alltag möglichst selbstbestimmt gestalten“, so Schmidt-Zadel. „Der Welt-Alzheimer-Tag bietet die Chance, Vorurteile und Ängste abzubauen.“ Weltweit und auch überall in Deutschland finden rund um den Welt Alzheimer-Tag am 21. September vielfältige Aktionen statt, um auf die Situation von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen aufmerksam zu machen.

Pflegende Angehörige stärken

Besonders am Herzen liegt dem Verband die Situation pflegender Angehöriger. Rund zwei Drittel aller Menschen mit Demenz werden in häuslicher Umgebung betreut. „Diese Familien brauchen dringend Unterstützung und Entlastung, erst recht in Zeiten von Corona“, so die Vorsitzende von Alzheimer NRW. Wie stark deren Belastungen in den vergangenen Monaten gestiegen sind, haben der Landesverband und seine Mitgliedsgesellschaften in ihrer Telefon- und Online-Beratung erfahren. Erschöpfte Familienmitglieder berichteten vom komplizierten Pflegealltag in Corona-Zeiten. Mal ging es um Probleme mit der Maskenpflicht, die für Menschen mit Demenz schwer einzuhalten ist, mal um die Besuchsregeln in stationären Einrichtungen, die Kontakte erschwerten oder darum, einen Pflegedienst zu finden. Hilfreich für pflegende Angehörige ist insbesondere der Austausch mit anderen in ähnlicher Situation. Seit 2018 unterstützt Alzheimer NRW daher im Projekt SeDum (Selbsthilfe im Bereich Demenz unterstützend ermöglichen) den Aufbau lokaler Selbsthilfegruppen. Ein weiteres wichtiges Angebot sind die Kurse „Leben mit Demenz“. Sie vermitteln den Teilnehmenden Wissen zum Umgang mit Menschen mit Demenz, informieren über Diagnose und Krankheitsbild und geben praktische Tipps zum Pflegealltag und zur Selbstfürsorge. Mehr als 15.000 Menschen haben in den letzten 10 Jahren an den Kursen teilgenommen.

Besonders wichtig, so Alzheimer NRW, sei zudem die soziale Akzeptanz, damit Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen trotz der Erkrankung ihr Leben aktiv gestalten und teilhaben können. „Reden über Demenz und mit den Betroffenen ist in Corona-Zeiten nötiger denn je“, betont die Vorsitzende Regina Schmidt-Zadel.

Der Welt-Alzheimer-Tag

Der Welt-Alzheimertag wurde 1994 von Alzheimer’s Disease International (ADI) mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation {WHO) ins Leben gerufen. ADI, die internationale Vereinigung von Alzheimer-Gesellschaften in 95 Ländern, koordiniert die Aktivitäten weltweit. Weltweit geht es darum, eine breite Öffentlichkeit auf die Situation der weltweit insgesamt mehr als 50 Millionen Demenzkranken und ihrer Familien aufmerksam zu machen.

In diesem Jahr finden viele Aktionen zum Welt-Alzheimer-Tag und der Woche der Demenz vom 21. bis 27. September corona-bedingt nur online oder in kleinerem Umfang statt. Eine Übersicht über Veranstaltungen in NRW findet sich auf der Website www.alzheimer-nrw.de und der Seite der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Hintergrund

Allein in Nordrhein-Westfalen leben aktuell rund 350.000 Menschen mit Demenz. Deutschlandweit sind es etwa 1,6 Millionen. Die Mehrzahl (ca. zwei Drittel) von ihnen wird in der häuslichen Umgebung von Angehörigen betreut und gepflegt. Jährlich erkranken rund 300.000 Menschen neu. Ungefähr 60 Prozent davon haben eine Demenz vom Typ Alzheimer. Die Zahl der Demenzerkrankten wird bis 2050 auf 2,4 bis 2,8 Millionen steigen, sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt.

FAQs

Für Menschen mit Demenz ist die verbleibende, altersübliche Lebenserwartung verkürzt. Eine verbindliche Angabe für die Lebenserwartung mit ausgebrochener Alzheimer-Demenz ist nicht möglich. Zwei Drittel aller Erkrankten haben bereits das 80. Lebensjahr vollendet. Fast 70 % der Erkrankten sind Frauen. Europäische Studien fanden eine mittlere Krankheitsdauer von 3-6 Jahren. Die Dauer kann jedoch stark schwanken. In einigen Fällen wurden Überlebenszeiten von 20 und mehr Jahren berichtet. Im Einzelfall lässt sich die Krankheitsdauer nicht mit hoher Zuverlässigkeit vorhersagen. Allgemein gilt, dass die Überlebenszeit umso geringer ist, je später im Leben die Erkrankung eintritt, je schwerer die Symptome sind und je mehr körperliche Begleiterscheinungen bestehen. So bedroht der Verlust an Nervenzellen im Gehirn das Leben nicht direkt. Doch begünstigt der Verlauf bei fortgeschrittener Demenz Folgeerkrankungen, z.B. eine höhere Anfälligkeit für schwere Infektionen. Nicht wenige Menschen mit Demenz sterben an einer Lungenentzündung.

Eine sorgfältige Diagnose zur Feststellung einer Alzheimer Krankheit und zum Ausschluss anderer Erkrankungen umfasst die gründliche Untersuchung des körperlichen und geistigen Zustandes. Es werden psychologische Testverfahren durchgeführt zur Prüfung von Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Wahrnehmungsfähigkeit. Es werden Laborbestimmungen vorgenommen sowie bildgebende Verfahren (CT oder MRT) eingesetzt. Besonders wichtig ist das Gespräch mit Betroffenen und Angehörigen (Anamnese). Die Diagnose kann von erfahrenen Ärzten bzw. Fachärzten für Neurologie und Psychiatrie gestellt werden. Gedächtnisambulanzen (auch „Gedächtnissprechstunden“ oder „Memory Kliniken“ genannt) sind spezialisierte Einrichtungen zur Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen.

Es gibt bislang keinen Schutz davor, an Demenz vom Typ Alzheimer zu erkranken. Aber es gibt einige Faktoren, die das Erkrankungsrisiko – wie für andere Erkrankungen auch – verringern können. Dazu gehört eine körperlich und psychisch gesunde Lebensweise: – Geistige, körperliche und soziale Aktivität, – ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Carotin – Fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren – die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus – Vermeidung von Übergewicht – Vermeidung von regelmäßigem Konsum von Genussgiften, die nachweislich die Gefäße verengen (z.B. Nikotin, Alkohol)

Es ist zurzeit noch nicht möglich, eine Demenz, die durch die Alzheimer-Krankheit ausgelöst wird, zu heilen. Das Absterben der Hirnzellen kann mit den bestehenden medizinischen Möglichkeiten nicht verhindert werden. Es besteht aber die Möglichkeit, auf den Krankheitsverlauf einzuwirken und das Fortschreiten der Symptome vorübergehend hinauszuzögern. Medikamente, sogenannte Antidementiva, können die geistige Leistungsfähigkeit ungefähr ein Jahr aufrechterhalten und sich positiv auf die Bewältigung des Alltags auswirken. Therapeutische Maßnahmen, wie Ergotherapie, Logotherapie (Sprachtherapie) und Krankengymnastik (vom Arzt verordnet) können die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen verbessern und Verhaltensstörungen lindern. Hilfreich können Musik- und Kunsttherapie, Verhaltenstherapie, Selbst-Erhaltungs-Therapie oder Erinnerungstherapie sein. Die Persönlichkeit und individuellen Besonderheiten der Erkrankten sollten dabei stets berücksichtigt werden. Medikamentös und therapeutisch behandelte Menschen mit Demenz vom Alzheimer Typ können ihre Ressourcen länger erhalten, als unbehandelte Patienten. Menschliche Zuwendung, Aktivierung und Beschäftigung, ein angemessener Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten sowie eine demenzgerechte Gestaltung der Umwelt („Milieutherapie“) sind für Menschen mit Demenz von besonderer Bedeutung.

In 90 % der Alzheimer-Fälle wirken unterschiedliche Faktoren bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit zusammen: erbliche Faktoren, Alterungsprozesse des Gehirns, Vorerkrankungen des Gehirns und Umwelteinflüsse. Der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten einer „sporadischen“ Alzheimer-Krankheit ist das hohe Lebensalter (ca. 65-80 Jahre). Das Risiko für eine Demenz vom Alzheimer Typ erhöht sich mit zunehmendem Lebensalter. Es gibt auch Gene, die das Auftreten der Alzheimer-Krankheit begünstigen, jedoch allein als Ursache nicht ausreichen. Bei ungefähr 30 % aller Alzheimer-Patienten finden sich weitere Betroffene in der engeren Verwandtschaft. Weniger als 2 % aller Fälle von Alzheimer-Krankheit werden dominant vererbt. In diesen seltenen „familiären“ Fällen der Alzheimer-Krankheit reicht die Veränderung (Mutation) eines einzigen Gens für die Entstehung der Krankheit aus. Bisher sind drei Gene bekannt, die bei dominant vererbten Formen der Alzheimer-Krankheit mutiert sein können: Präsenilin 1 und Präsenilin 2 auf den Chromosomen 14 bzw. 1 sowie das auf Chromosom 21 gelegene Gen für das Amyloid-Vorläufer-Molekül (APP). Menschen mit Mutationen in einem dieser drei Gene erkranken in der Regel unter 60 Jahren.

Mit dem Oberbegriff „Demenz“ wird ein Muster von Symptomen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Krankheitsursachen zugrunde liegen.
Die häufigste Ursache von „Demenz“ ist die Alzheimer Krankheit, die nach dem Psychiater Alois Alzheimer benannt wurde. Rund 60 % aller Demenzen werden durch die Alzheimer Krankheit hervorgerufen.
Die Alzheimer Krankheit ist eine hirnorganische Erkrankung. Sie führt dazu, dass in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich und fortschreitend Nervenzellen und Nervenzellkontakte zugrunde gehen. Dadurch werden die geistigen Fähigkeiten des Erkrankten, seine Möglichkeiten zur Kommunikation und Erinnerung beeinflusst. Im fortschreitenden Krankheitsverlauf können Phasen der Stabilität im Wechsel mit Perioden der Verschlechterung auftreten. Im Endstadium der Krankheit sind Menschen mit Demenz oft vollständig auf fremde Hilfe angewiesen.

Der Begriff “Demenz” leitet sich vom lateinischen ab: “de-mens” (de = “weg von”, mens = “geist”) Die medizinische Verwendung des Begriffs unterscheidet sich von der Übersetzung des Begriffs aus dem Lateinischen. In der Medizin wird „Demenz“ bezeichnet als ein andauernder oder fortschreitender Zustand, bei dem die Fähigkeiten des Gedächtnisses, des Denkens und/ oder anderer Leistungsbereiche des Gehirns beeinträchtigt sind. Oft kommt es auch zu Veränderungen des zwischenmenschlichen Verhaltens und des Antriebs.
Mit dem Begriff „Demenz“ wird ein Muster von Krankheitszeichen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, wie die Alzheimer Krankheit.

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