Eine „extrem schlechte Versorgung zur Zeit von Menschen mit Demenz sowie von deren Angehörigen“ meldete uns dieser Tage die Alzheimer Gesellschaft Kreis Euskirchen e.V. Wegen geschlossener Tagesbetreuungen und auch weil osteuropäische Haushaltshilfen im Moment nicht zur Verfügung stehen, sind – nicht nur im Kreis Euskirchen – viele Angehörige von Menschen mit einer Demenzerkrankung stark überfordert. Heime nehmen keine neuen Bewohnerinnen und Bewohner auf, oft antworten auch ambulante Dienste negativ auf neue Anfragen. Und manche Familien suchen auch gar nicht nach Hilfe von außen, weil sie befürchten, dass das Risiko einer Infektion mit COVID 19 für ihre besonders verletzlichen Pflegebedürftigen steigt. Doch auch die pflegenden Angehörigen selbst dürfen gerade jetzt nicht ausfallen, denn wer soll sich dann um das demenzkranke Familienmitglied kümmern?
Und die Furcht vor Ansteckung ist ja nicht aus der Luft gegriffen. Das zeigen schon die zahlreichen Rufe nach Schutzkleidung von Verbänden der ambulanten und stationären Pflegedienstleister. Auch ambulante Pflegedienste aus unserem Netzwerk beklagen den Mangel.
„Vor allem professionelle Mundschutze fehlen uns“, berichtet der Geschäftsführer eines ambulanten Dienstes in Solingen. „Unsere Pflegekräfte schützen sich und die Pflegebedürftigen so gut sie können, indem sie Desinfektionsmitteln zum Einsatz bringen, Handschuhe und einen Mundschutz tragen, den Damen aus unserem Umfeld für uns genäht haben. Aber viele fürchten um ihre Gesundheit und die der Pflegebedürftigen und trauen sich nicht, ihre Tätigkeit wie gewohnt auszuführen.“
Ein Pflegedienst aus Düsseldorf sieht sich bei der Schutzausrüstung – nach längerer Wartezeit – aktuell gut aufgestellt. „Wir haben FFP3- und FFP-2-Masken von der Stadt bekommen, die reichen noch zwei Wochen“, freut sich die Pflegedienstleiterin. „Aber jetzt fragen unsere Kunden, ob wir ihnen nicht Masken abgeben können. Und das können wir definitiv nicht.“
Dabei wäre eine eigene Versorgung mit Schutzmasken der Kunden wichtig, betont der Geschäftsführer eines Pflegedienstes, der für die Städteregion Aachen und den Kreis Düren zuständig ist. „Die FFP-Masken filtern die Luft beim Einatmen, aber nicht beim Ausatmen, sie schützen also vor allem den Träger selbst.“
„Das Land und die Verantwortlichen in den Regionen und Kommunen müssen endlich die häusliche Pflege in den Blick nehmen“, verlangt Regina Schmidt-Zadel, die Vorsitzende des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW e.V. „Benötigt wird weiterhin Schutzausrüstung für professionelle Pflegekräfte, aber auch für betroffene Familien, die in diesen Wochen unter großem Druck stehen.“
