Das Symposium des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften befasst sich mit der notwendigen Unterstützung des „größten Pflegedienstes der Nation“. Wenn der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW am kommenden Freitag zum Symposium „Pflegende Angehörige stärken“ im Düsseldorfer Landtag lädt, wird dort auch die Landesregierung vertreten sein. Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann berichtet von den jüngsten Initiativen des Landes: den „Regionalbüros Alter, Pflege und Demenz“ sowie vom ebenfalls gerade angelaufenen Landesprogramm „Zeit und Erholung für mich: Kuren für pflegende Angehörige in NRW“.
Nach Grußworten der Vizepräsidentin des Landtages, Carina Gödecke, und des Vertreters der gastgebenden FDP-Fraktion im Landtag, Marcel Hafke, eröffnet die Vorsitzende des Landesverbandes, Regina Schmidt-Zadel, MdB a.D. das Symposium.
In Vorträgen, einer Talkrunde und einer Podiumsdiskussion geht es u.a. um die Fragen: Was macht die häusliche Pflege mitunter so beschwerlich? Wie kann man Belastungen bewältigen und damit auch Gewalt vorbeugen? Und: Welche Unterstützung braucht man dafür? Dramatischer Hintergrund dieser Diskussion ist der eklatante Mangel an ausreichend ambulanten Pflegediensten im Land, was betroffene Familien verzweifeln lässt.
Hochkarätig geht es in die Vorträge mit Prof. Dr. Stefan Sell von der Hochschule Koblenz. Der Sozialwissenschaftler, Direktor des Instituts für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung schildert, wie der Pflegenotstand in die Familien hineinwirkt und wie Hilfe von außen besser organisiert werden könnte. Der Experte plädiert für eine Kommunalisierung der Altenpflege. Die unterschiedlichen Unterstützungsbedarfe der Pflegebedürftigen und ihrer Angehörigen verlangen nach schneller, möglichst unkomplizierter Hilfe. Passende Angebote könnten am besten vor Ort geplant und realisiert werden. Kommunale „Kümmerer“, die die Besonderheiten und Belastungen der häuslichen Situationen kennen, sollten flächendeckend und verpflichtend installiert werden, schlägt Sell vor. Sie könnten dann dafür sorgen, dass Angebot und Nachfrage rasch zueinander finden.
Dr. Cornelia Schweppe, Professorin für Sozialpädagogik an der Uni Mainz betrachtet Gewalt in der Pflege als Politikum. Dringend erforderlich sei ein gesellschaftliches Bewusstsein für die Bedrängnis in der häuslichen Pflege und eine Infrastruktur, ähnlich, wie es sie in der Kinder- und Jugendhilfe schon gibt.
Hartmut Emme von der Ahe vom Demenznetz des Kreises Minden-Lübbecke erläutert die gewaltpräventive Wirkung des Netzwerks. Der Theologe, Geragoge und Case-Manager weiß: Nicht immer, aber auch nicht ganz selten sind Angehörige in der Pflege so belastet, dass sie im Umgang mit dem betreuten Menschen Grenzen überschreiten und ihm seelisch oder körperlich weh tun. Die Hilfen des Netzwerks tragen dazu bei, Eskalationen vorzubeugen. Wenn eine angespannte
Pflegesituation dennoch in offene Gewalt umschlägt, wird in dem ostwestfälischen Kreis die Anlaufstelle für häusliche Gewalt in der Pflege eingeschaltet, die dann die „Fallführung“ übernimmt.
Das Symposium will pflegende Angehörige stärken. Deswegen findet Alzheimer NRW es wichtig, sie auch selbst zu Wort kommen zu lassen: In einer Talkrunde berichten Menschen mit Demenzerfahrung, welchen Herausforderungen sie sich in ihrem Pflegealltag stellen mussten und müssen.
Was kann auch das Land dazu beitragen, dass die Angehörigen des „größten Pflegedienstes der Nation“ sich dabei nicht seelisch, körperlich und finanziell ruinieren? In einer Podiumsdiskussion stehen die gesundheitspolitischen Sprecher der NRW-Landtagsfraktionen hier Rede und Antwort.
Zum Abschluss des Symposiums verleiht der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW gemeinsam mit der neuraxFoundation gGmbH erstmalig den „Preis für Ihr Engagement in der Demenzselbsthilfe“.
Moderiert wird die Tagung von Dr. med. Heinz-Wilhelm Esser, bekannt u.a. aus dem WDR-Fernsehen als „Doc Esser“.
13. September 2019, von 9.00 – 15.45 Uhr: „Pflegende Angehörige stärken“ Symposium des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW e.V. im Landtag NRW, Platz des Landtags 1, 40221 Düsseldorf Bei Rückfragen stehen wir Ihnen unter info@alzheimer-nrw.de oder unter der folgenden Rufnummer zur Verfügung 0211-24086910.
