Düsseldorf, 28. Juli 2022. In einer vor wenigen Tagen beim Sender RTL ausgestrahlten Reportage des Enthüllungsjournalisten Günter Wallraff und seines Undercover-Teams wurden einmal mehr skandalöse Zustände in Pflegeheimen aufgedeckt. Die in einer privaten Pflegeeinrichtungen betreuten Menschen, darunter auch Menschen mit Demenz, wurden wiederholt vernachlässigt, gedemütigt und in gesundheitsgefährdender Weise inkompetent pflegerisch versorgt. Der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften kritisiert die aufgedeckten Missstände aufs Schärfste und dringt auf Abhilfe.
„Die von den Reportern erlebten Zustände sind völlig inakzeptabel. Im Namen des Alzheimer Landesverbands NRW fordere ich die Einrichtung auf, die in der Reportage belegten Missstände so zeitnah wie möglich zu beseitigen. Die politisch Verantwortlichen, insbesondere Herrn Gesundheitsminister Karl Lauterbach bitte ich dringend, zeitgemäße rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen zu schaffen“, so Dr. Peter Pick, der Vorsitzende des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW.
Gezeigt worden waren verdeckte Einsätze von Undercover-Journalisten, die als Praktikantinnen und Praktikanten in drei verschiedenen Einrichtungen der Altenpflege und der so genannten Jungen Pflege des zweitgrößten privaten Pflegeheim-Anbieters in Deutschland tätig waren. Die dokumentierten pflegerischen Fehler, Versäumnisse und Rohheiten wurden in der Reportage von Expertinnen kommentiert und mit Gesundheitsminister Lauterbach besprochen. Dieser hatte Mängel in der Heimaufsicht eingeräumt und die Verfolgung der Missstände zugesagt. Der Betreiber selbst, für die Sendung um Stellungnahmen gebeten, hatte die schlimmen Zustände abgestritten oder als bedauerliche Einzelfälle dargestellt. Die Erfahrungen der Reporter sowie viele Hilferufen von Angehörigen und aus der Pflege ergeben allerdings ein anderes Bild.
Peter Pick betont, er sehe nicht in erster Linie die Pflegekräfte in der Verantwortung. Diese setzten oft alles daran, Mängel in der Ausstattung und pflegerischen Besetzung an ihrer Arbeitsstelle durch einen erhöhten Einsatz auszugleichen, oft genug auf Kosten der eigenen Gesundheit. „Es ist die Fürsorgepflicht der Pflegeheimbetreiber, genügend sowie gut ausgebildetes und geschultes Personal und selbstverständlich auch die notwendige Pflegeausstattung vorzuhalten, um eine menschenwürdige und verantwortungsvolle Pflege zu gewährleisten. Auch am Essen darf nicht gespart werden. Mit der Pflege und Betreuung von Menschen, die durch Alter und Krankheit besonders verletzlich sind, darf kein Profit gemacht werden.“
Der Vorsitzende von Alzheimer NRW begrüßt es, dass der Bundesgesundheitsminister die Ausbildung der Pflegekräfte weiter aufwerten will und auch die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen und Vergütung auf der Agenda hat. Lauterbach hatte von einem Bündel von Maßnahmen gesprochen, das geprüft werden müsse.
