Um künftig eine menschenwürdige Pflege zu sichern, sind alle derzeitigen Anstrengungen zur besseren und tariflichen Bezahlung von Pflegekräften nicht nur unterstützenswert, sondern auch überfällig. „Das darf aber nicht heißen, dass heutige und künftige Pflegebedürftige allein das Risiko stark steigender Pflegekosten tragen müssen“, sagt die Vorsitzende des Landesverbandes der Alzheimergesellschaften in Nordrhein-Westfalen, Regina Schmidt-Zadel. „Der Vorschlag der SPD und die Länderinitiative von Hamburg, Berlin, Bremen und Schleswig-Holstein im Bundesrat zur Begrenzung des Eigenanteils von Pflegebedürftigen in Heimen weisen da genau in die richtige Richtung.“ Die Kosten, die in Pflegeheimen untergebrachte Menschen schon heute selbst tragen müssen, liegen im Bundesdurchschnitt bei rund 1.800 Euro, sind aber von Bundesland zu Bundesland ganz unterschiedlich. So bezahlen Pflegebedürftige in Sachsen-Anhalt für ihren Heimaufenthalt im Mittel 1.218 Euro, in Nordrhein-Westfalen hingegen 2.252 Euro pro Monat. Neben einem Anteil für die Pflegeleistungen von durchschnittlich 655 Euro (NRW: 717 Euro) fließen auch Zahlungen für Unterkunft und Verpflegung sowie für die Investitionskosten in den Eigenanteil ein. Viele Menschen können diese Zuzahlungen schon jetzt nicht leisten. Rund 37% der Bewohnerinnen und Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen erhalten deswegen Hilfe zur Pflege als Leistung der Sozialhilfe, die von den Kommunen aufgebracht wird. Die Vorsitzende von Alzheimer NRW unterstützt den Vorschlag des SPD-Vorstands vom Montag (8.4.) und den ganz ähnlichen der Länder, dass die Kosten für die Behandlungspflege künftig wieder von den Krankenkassen getragen werden sollen und die Pflegeversicherung im Gegenzug mehr tun soll, um Pflegebedürftigkeit überhaupt zu vermeiden. „Auch dass künftig alle Bürgerinnen und Bürger für die Finanzierung der Pflege herangezogen werden sollen, u.a. über eine Bürgerversicherung, aber auch durch die Verwendung von Steuermitteln, wenn dies nottut, halte ich für sozial ausgewogen und fair“, sagt die ehemalige Bundestagsabgeordnete Regina Schmidt-Zadel. „Für viele Bereiche werden Steuergelder zur Verfügung gestellt, mit welchem Grund nicht zur Verbesserung der Situation der Menschen, die pflegebedürftig sind – besonders von Menschen mit Demenz? Es geht immerhin um die Generation, die unseren Wohlstand mit aufgebaut hat und es kann nicht sein, dass diese Menschen in schwierige Situationen allein gelassen werden und oft alle Rücklagen und sogar ihr Eigenheim für die Pflege aufzehren müssen und dann in die Sozialhilfe fallen.“ Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) ist dagegen, dass im Zweifel die Solidargemeinschaft einspringt, um das individuelle Kostenrisiko zu begrenzen. Und auch in der Länderkammer herrscht keine Einigkeit. Der Vorstoß Hamburg, Berlins, Bremens und Schleswig-Holsteins zur Weiterentwicklung der Pflegeversicherung wird nach einer ersten Erörterung im März derzeit in den Ausschüssen für Gesundheit, für Arbeit, Integration und Soziales sowie für Finanzen beraten.
PM “Pflegebedürftige müssen vor ruinöser Zuzahlung zu Heimkosten bewahrt werden” vom 10.04.2019
FAQs
Wie ist die Lebenserwartung mit Demenz?
Für Menschen mit Demenz ist die verbleibende, altersübliche Lebenserwartung verkürzt. Eine verbindliche Angabe für die Lebenserwartung mit ausgebrochener Alzheimer-Demenz ist nicht möglich. Zwei Drittel aller Erkrankten haben bereits das 80. Lebensjahr vollendet. Fast 70 % der Erkrankten sind Frauen. Europäische Studien fanden eine mittlere Krankheitsdauer von 3-6 Jahren. Die Dauer kann jedoch stark schwanken. In einigen Fällen wurden Überlebenszeiten von 20 und mehr Jahren berichtet. Im Einzelfall lässt sich die Krankheitsdauer nicht mit hoher Zuverlässigkeit vorhersagen. Allgemein gilt, dass die Überlebenszeit umso geringer ist, je später im Leben die Erkrankung eintritt, je schwerer die Symptome sind und je mehr körperliche Begleiterscheinungen bestehen. So bedroht der Verlust an Nervenzellen im Gehirn das Leben nicht direkt. Doch begünstigt der Verlauf bei fortgeschrittener Demenz Folgeerkrankungen, z.B. eine höhere Anfälligkeit für schwere Infektionen. Nicht wenige Menschen mit Demenz sterben an einer Lungenentzündung.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Eine sorgfältige Diagnose zur Feststellung einer Alzheimer Krankheit und zum Ausschluss anderer Erkrankungen umfasst die gründliche Untersuchung des körperlichen und geistigen Zustandes. Es werden psychologische Testverfahren durchgeführt zur Prüfung von Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Wahrnehmungsfähigkeit. Es werden Laborbestimmungen vorgenommen sowie bildgebende Verfahren (CT oder MRT) eingesetzt. Besonders wichtig ist das Gespräch mit Betroffenen und Angehörigen (Anamnese). Die Diagnose kann von erfahrenen Ärzten bzw. Fachärzten für Neurologie und Psychiatrie gestellt werden. Gedächtnisambulanzen (auch „Gedächtnissprechstunden“ oder „Memory Kliniken“ genannt) sind spezialisierte Einrichtungen zur Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen.
Kann Demenz vorgebeugt werden?
Es gibt bislang keinen Schutz davor, an Demenz vom Typ Alzheimer zu erkranken. Aber es gibt einige Faktoren, die das Erkrankungsrisiko – wie für andere Erkrankungen auch – verringern können. Dazu gehört eine körperlich und psychisch gesunde Lebensweise: – Geistige, körperliche und soziale Aktivität, – ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Carotin – Fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren – die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus – Vermeidung von Übergewicht – Vermeidung von regelmäßigem Konsum von Genussgiften, die nachweislich die Gefäße verengen (z.B. Nikotin, Alkohol)
Ist Demenz heilbar?
Es ist zurzeit noch nicht möglich, eine Demenz, die durch die Alzheimer-Krankheit ausgelöst wird, zu heilen. Das Absterben der Hirnzellen kann mit den bestehenden medizinischen Möglichkeiten nicht verhindert werden. Es besteht aber die Möglichkeit, auf den Krankheitsverlauf einzuwirken und das Fortschreiten der Symptome vorübergehend hinauszuzögern. Medikamente, sogenannte Antidementiva, können die geistige Leistungsfähigkeit ungefähr ein Jahr aufrechterhalten und sich positiv auf die Bewältigung des Alltags auswirken. Therapeutische Maßnahmen, wie Ergotherapie, Logotherapie (Sprachtherapie) und Krankengymnastik (vom Arzt verordnet) können die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen verbessern und Verhaltensstörungen lindern. Hilfreich können Musik- und Kunsttherapie, Verhaltenstherapie, Selbst-Erhaltungs-Therapie oder Erinnerungstherapie sein. Die Persönlichkeit und individuellen Besonderheiten der Erkrankten sollten dabei stets berücksichtigt werden. Medikamentös und therapeutisch behandelte Menschen mit Demenz vom Alzheimer Typ können ihre Ressourcen länger erhalten, als unbehandelte Patienten. Menschliche Zuwendung, Aktivierung und Beschäftigung, ein angemessener Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten sowie eine demenzgerechte Gestaltung der Umwelt („Milieutherapie“) sind für Menschen mit Demenz von besonderer Bedeutung.
Ist Demenz erblich?
In 90 % der Alzheimer-Fälle wirken unterschiedliche Faktoren bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit zusammen: erbliche Faktoren, Alterungsprozesse des Gehirns, Vorerkrankungen des Gehirns und Umwelteinflüsse. Der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten einer „sporadischen“ Alzheimer-Krankheit ist das hohe Lebensalter (ca. 65-80 Jahre). Das Risiko für eine Demenz vom Alzheimer Typ erhöht sich mit zunehmendem Lebensalter. Es gibt auch Gene, die das Auftreten der Alzheimer-Krankheit begünstigen, jedoch allein als Ursache nicht ausreichen. Bei ungefähr 30 % aller Alzheimer-Patienten finden sich weitere Betroffene in der engeren Verwandtschaft. Weniger als 2 % aller Fälle von Alzheimer-Krankheit werden dominant vererbt. In diesen seltenen „familiären“ Fällen der Alzheimer-Krankheit reicht die Veränderung (Mutation) eines einzigen Gens für die Entstehung der Krankheit aus. Bisher sind drei Gene bekannt, die bei dominant vererbten Formen der Alzheimer-Krankheit mutiert sein können: Präsenilin 1 und Präsenilin 2 auf den Chromosomen 14 bzw. 1 sowie das auf Chromosom 21 gelegene Gen für das Amyloid-Vorläufer-Molekül (APP). Menschen mit Mutationen in einem dieser drei Gene erkranken in der Regel unter 60 Jahren.
Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?
Mit dem Oberbegriff „Demenz“ wird ein Muster von Symptomen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Krankheitsursachen zugrunde liegen.
Die häufigste Ursache von „Demenz“ ist die Alzheimer Krankheit, die nach dem Psychiater Alois Alzheimer benannt wurde. Rund 60 % aller Demenzen werden durch die Alzheimer Krankheit hervorgerufen.
Die Alzheimer Krankheit ist eine hirnorganische Erkrankung. Sie führt dazu, dass in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich und fortschreitend Nervenzellen und Nervenzellkontakte zugrunde gehen. Dadurch werden die geistigen Fähigkeiten des Erkrankten, seine Möglichkeiten zur Kommunikation und Erinnerung beeinflusst. Im fortschreitenden Krankheitsverlauf können Phasen der Stabilität im Wechsel mit Perioden der Verschlechterung auftreten. Im Endstadium der Krankheit sind Menschen mit Demenz oft vollständig auf fremde Hilfe angewiesen.
Was ist Demenz?
Der Begriff “Demenz” leitet sich vom lateinischen ab: “de-mens” (de = “weg von”, mens = “geist”) Die medizinische Verwendung des Begriffs unterscheidet sich von der Übersetzung des Begriffs aus dem Lateinischen. In der Medizin wird „Demenz“ bezeichnet als ein andauernder oder fortschreitender Zustand, bei dem die Fähigkeiten des Gedächtnisses, des Denkens und/ oder anderer Leistungsbereiche des Gehirns beeinträchtigt sind. Oft kommt es auch zu Veränderungen des zwischenmenschlichen Verhaltens und des Antriebs.
Mit dem Begriff „Demenz“ wird ein Muster von Krankheitszeichen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, wie die Alzheimer Krankheit.
Weitere Beiträge des Landesverbandes
Neuigkeiten, Pressemeldungen und Berichte rund um Demenz und Pflege in Nordrhein-Westfalen.
Aktuelles