Ambulante Pflege weiterhin ohne ausreichenden Schutz” Handlungsstrategie für Arbeit unter Coronabedingungen fehlt
Düsseldorf, 26.Oktober 2020. Während endlich Anstrengungen unternommen werden, durch Corona-Tests Infektionsschutz und Lebensqualität in Heimen sicherzustellen, ist die Lage in der ambulanten Pflege noch ganz ungenügend.
„Sowohl von pflegenden Angehörigen als auch von Mitgliedern, die ambulante Pflegedienste anbieten, hören wir, dass dort teilweise >Land unter< ist“, sagt die Vorsitzende des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW, Regina Schmidt-Zadel. „Pflegediensten fehlt zum Teil schon wieder Schutzkleidung, und auch nach Inkrafttreten der Coronavirus-Testverordnung des Bundesgesundheitsministers vom 14. Oktober wissen sie häufig nicht, wie sie an Tests kommen können und welche Regeln für eine Quarantäne gelten.“
Der Geschäftsführer eines Pflegedienstes in NRW schreibt etwa: „Die weiterhin undurchsichtige Teststrategie und die noch weniger nachvollziehbaren Quarantäneregelungen, d.h. wann muss wer für wie lange in Quarantäne bleiben, wann läuft die Quarantäne aus, mit oder ohne Testung, verunsichert die Pflege- und Betreuungskräfte. Dabei könnten mit kleinen Maßnahmen schnelle und, mindestens ebenso wichtig, unkomplizierte Testungen durchgeführt werden.“
Der Verordnung zufolge müssen die Einrichtungen oder Dienste eigene Testkonzepte vorlegen und bekommen dann eine bestimmte Anzahl von Antigentests bewilligt, die sie sich selbst besorgen sollen. „Die neue Regelung ist bei den Gesundheitsämtern aber zum Teil noch gar nicht bekannt“, erklärt die Vertreterin eines Anbieterverbandes. Und auch der Geschäftsführer des Pflegedienstes berichtet, dass das eigene Konzept, das er schon im August entwickelt und vorgelegt hatte, bisher nicht im Sinne einer schnellen Testung vor Ort unterstützt worden sei.
Pflegende Angehörige beobachten mit Sorge, dass Pflegekräfte schon mal ohne Mundschutz oder Handschuhe ins Haus kommen. Oft sind sie auch ganz ohne Unterstützung, weil ambulante Pflegedienste und Tagespflegen gar keine Kapazitäten mehr frei haben.
„Wieder einmal müssen wir feststellen, dass unsere pflegenden Angehörigen mit der Verantwortung für den eigenen Schutz und häufig auch mit der häuslichen Pflege alleingelassen werden“, beklagt Regina Schmidt-Zadel. „Die Gesundheitsämter und andere Verantwortliche müssen dringend in die Lage versetzt werden, ihren vom Bund übertragenen Aufgaben nachzukommen. Wir brauchen auch weiterhin mehr Tagespflegeplätze und ambulante Pflegekräfte.“
