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12. Dezember 2025

12.12.2025: Alzheimer Gesellschaft NRW zur geplanten Pflegereform: Sparen zu Lasten der Menschen mit Demenz

Pressemitteilung

Düsseldorf, 12.12.2025

„Die Abschaffung der Entlastungsleistungen im Pflegegrad 1 trifft vor allem pflegebedürftige Menschen im Frühstadium einer Demenz“, kritisiert Dr. Peter Pick, Vorsitzender des Landesverbandes der Alzheimer Gesellschaften NRW. Aktuell können diese Personen Betreuungs- und Entlastungsangebote in Anspruch nehmen: „Anstatt diese Menschen zu begleiten und die An- und Zugehörigen zu entlasten, werden sie zukünftig belastet und die Familien allein gelassen.“

Der Pflegegrad 1 ist mit der letzten großen Pflegereform im Jahre 2017 eingeführt worden. Mit diesem neuen Pflegegrad wurden Leistungen der Pflegeversicherung schon bei beginnender Pflegebedürftigkeit ermöglicht. Davon profitieren vor allem Menschen mit beginnender Demenz und Pflegebedürftige mit ersten Mobilitätseinschränkungen.

Die Pflegeversicherung sieht im Pflegegrad 1 ein eingeschränktes Leistungspaket vor. So besteht ein Anspruch auf Pflegeberatung und Beratungseinsätze. Auch können Pflegehilfsmittel und ein Hausnotruf finanziert werden. Und es können Entlastungsleistungen von bis zu 131 € monatlich zur Unterstützung im Alltag und zur Betreuung, z.B. durch Alltagshelfer, in Anspruch genommen werden.

Von den Betreuungs- und Entlastungsangeboten aus dem Entlastungsbudget profitieren Menschen mit Demenz, indem stundenweise Alltagsbegleiter ins Haus kommen, mit ihnen gemeinsame Freizeitaktivitäten durchführen, sie zu außerhäuslichen Aktivitäten begleiten oder mit ihnen spazieren gehen. Auch ermöglicht die Teilnahme an niedrigschwelligen Angeboten, so bspw. Demenzcafés, Tanzcafés, die nach dem Landesrecht als ein Angebot zur Unterstützung im Alltag anerkannt werden, die Teilhabe der Betroffenen am gesellschaftlichen Leben und beugt Einsamkeit vor.

In dieser Zeit sind die pflegenden Angehörigen entlastet und können sich zeitweise von den Belastungen der Pflege erholen oder dringenden bzw. gewünschten eigenen Aktivitäten und Verpflichtungen nachgehen.

Menschen mit einer beginnenden Demenz sind oft in Pflegegrad 1 eingestuft. Durch die weiterhin vorgesehene Anhebung der Schwellenwerte im Begutachtungsverfahren werden zukünftig noch mehr Menschen im Frühstadium der Demenz im Pflegegrad 1 sein. All diese Menschen werden zukünftig keine Betreuungs- und Entlastungsleistungen aus der Pflegeversicherung erhalten.

„Es ist ein falscher Weg, gerade bei dieser Personengruppe zu sparen“, so Pick. „Damit bleiben die Potentiale der Stärkung und Aufrechterhaltung der Selbstständigkeit unausgeschöpft und die Angehörigenpflege zusätzlich belastet“. Mittelfristig wird dies zu steigenden Anzahlen der Leistungsempfänger in den höheren Pflegegraden und zu steigenden Ausgaben führen.

Zudem konstatieren wir, dass eine frühzeitige Einbindung von Unterstützung und zugehender Hilfe im Rahmen des Pflegegrades 1 die erste nachhaltige Anbindung an das Versorgungssystem und die Erhöhung der Annahmebereitschaft von Hilfe darstellt. Dies schafft in zahlreichen häuslichen Versorgungssettings eine Grundlage für die weitere Ausweitung der Hilfen mit fortschreitender

Demenz. Die vorgesehene, an sich positive fachpflegerische Begleitung wird im Pflegegrad 1 ins Leere gehen, da sie keine wirkungsvolle Unterstützung und Entlastung anbieten kann.

In Nordrhein-Westfalen erhalten rund 180 Tsd. der 1,4 Mill. Pflegebedürftigen Leistungen des Pflegegrades 1. Deutschlandweit sind von den 5,7 Mill. Pflegebedürftigen rund 860 Tsd. in den Pflegegrad 1 eingestuft. Die Ausgaben für den Pflegegrad 1 werden auf ca. 1 Mrd. € geschätzt.

FAQs

Für Menschen mit Demenz ist die verbleibende, altersübliche Lebenserwartung verkürzt. Eine verbindliche Angabe für die Lebenserwartung mit ausgebrochener Alzheimer-Demenz ist nicht möglich. Zwei Drittel aller Erkrankten haben bereits das 80. Lebensjahr vollendet. Fast 70 % der Erkrankten sind Frauen. Europäische Studien fanden eine mittlere Krankheitsdauer von 3-6 Jahren. Die Dauer kann jedoch stark schwanken. In einigen Fällen wurden Überlebenszeiten von 20 und mehr Jahren berichtet. Im Einzelfall lässt sich die Krankheitsdauer nicht mit hoher Zuverlässigkeit vorhersagen. Allgemein gilt, dass die Überlebenszeit umso geringer ist, je später im Leben die Erkrankung eintritt, je schwerer die Symptome sind und je mehr körperliche Begleiterscheinungen bestehen. So bedroht der Verlust an Nervenzellen im Gehirn das Leben nicht direkt. Doch begünstigt der Verlauf bei fortgeschrittener Demenz Folgeerkrankungen, z.B. eine höhere Anfälligkeit für schwere Infektionen. Nicht wenige Menschen mit Demenz sterben an einer Lungenentzündung.

Eine sorgfältige Diagnose zur Feststellung einer Alzheimer Krankheit und zum Ausschluss anderer Erkrankungen umfasst die gründliche Untersuchung des körperlichen und geistigen Zustandes. Es werden psychologische Testverfahren durchgeführt zur Prüfung von Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und Wahrnehmungsfähigkeit. Es werden Laborbestimmungen vorgenommen sowie bildgebende Verfahren (CT oder MRT) eingesetzt. Besonders wichtig ist das Gespräch mit Betroffenen und Angehörigen (Anamnese). Die Diagnose kann von erfahrenen Ärzten bzw. Fachärzten für Neurologie und Psychiatrie gestellt werden. Gedächtnisambulanzen (auch „Gedächtnissprechstunden“ oder „Memory Kliniken“ genannt) sind spezialisierte Einrichtungen zur Diagnostik und Therapie von Demenzerkrankungen.

Es gibt bislang keinen Schutz davor, an Demenz vom Typ Alzheimer zu erkranken. Aber es gibt einige Faktoren, die das Erkrankungsrisiko – wie für andere Erkrankungen auch – verringern können. Dazu gehört eine körperlich und psychisch gesunde Lebensweise: – Geistige, körperliche und soziale Aktivität, – ausgewogene Ernährung mit viel Obst und Gemüse, reich an Vitamin C, E und Beta-Carotin – Fett- und cholesterinarme Ernährung, möglichst ungesättigte Fettsäuren – die Behandlung von Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und Diabetes Mellitus – Vermeidung von Übergewicht – Vermeidung von regelmäßigem Konsum von Genussgiften, die nachweislich die Gefäße verengen (z.B. Nikotin, Alkohol)

Es ist zurzeit noch nicht möglich, eine Demenz, die durch die Alzheimer-Krankheit ausgelöst wird, zu heilen. Das Absterben der Hirnzellen kann mit den bestehenden medizinischen Möglichkeiten nicht verhindert werden. Es besteht aber die Möglichkeit, auf den Krankheitsverlauf einzuwirken und das Fortschreiten der Symptome vorübergehend hinauszuzögern. Medikamente, sogenannte Antidementiva, können die geistige Leistungsfähigkeit ungefähr ein Jahr aufrechterhalten und sich positiv auf die Bewältigung des Alltags auswirken. Therapeutische Maßnahmen, wie Ergotherapie, Logotherapie (Sprachtherapie) und Krankengymnastik (vom Arzt verordnet) können die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen verbessern und Verhaltensstörungen lindern. Hilfreich können Musik- und Kunsttherapie, Verhaltenstherapie, Selbst-Erhaltungs-Therapie oder Erinnerungstherapie sein. Die Persönlichkeit und individuellen Besonderheiten der Erkrankten sollten dabei stets berücksichtigt werden. Medikamentös und therapeutisch behandelte Menschen mit Demenz vom Alzheimer Typ können ihre Ressourcen länger erhalten, als unbehandelte Patienten. Menschliche Zuwendung, Aktivierung und Beschäftigung, ein angemessener Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten sowie eine demenzgerechte Gestaltung der Umwelt („Milieutherapie“) sind für Menschen mit Demenz von besonderer Bedeutung.

In 90 % der Alzheimer-Fälle wirken unterschiedliche Faktoren bei der Entstehung der Alzheimer-Krankheit zusammen: erbliche Faktoren, Alterungsprozesse des Gehirns, Vorerkrankungen des Gehirns und Umwelteinflüsse. Der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten einer „sporadischen“ Alzheimer-Krankheit ist das hohe Lebensalter (ca. 65-80 Jahre). Das Risiko für eine Demenz vom Alzheimer Typ erhöht sich mit zunehmendem Lebensalter. Es gibt auch Gene, die das Auftreten der Alzheimer-Krankheit begünstigen, jedoch allein als Ursache nicht ausreichen. Bei ungefähr 30 % aller Alzheimer-Patienten finden sich weitere Betroffene in der engeren Verwandtschaft. Weniger als 2 % aller Fälle von Alzheimer-Krankheit werden dominant vererbt. In diesen seltenen „familiären“ Fällen der Alzheimer-Krankheit reicht die Veränderung (Mutation) eines einzigen Gens für die Entstehung der Krankheit aus. Bisher sind drei Gene bekannt, die bei dominant vererbten Formen der Alzheimer-Krankheit mutiert sein können: Präsenilin 1 und Präsenilin 2 auf den Chromosomen 14 bzw. 1 sowie das auf Chromosom 21 gelegene Gen für das Amyloid-Vorläufer-Molekül (APP). Menschen mit Mutationen in einem dieser drei Gene erkranken in der Regel unter 60 Jahren.

Mit dem Oberbegriff „Demenz“ wird ein Muster von Symptomen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Krankheitsursachen zugrunde liegen.
Die häufigste Ursache von „Demenz“ ist die Alzheimer Krankheit, die nach dem Psychiater Alois Alzheimer benannt wurde. Rund 60 % aller Demenzen werden durch die Alzheimer Krankheit hervorgerufen.
Die Alzheimer Krankheit ist eine hirnorganische Erkrankung. Sie führt dazu, dass in bestimmten Bereichen des Gehirns allmählich und fortschreitend Nervenzellen und Nervenzellkontakte zugrunde gehen. Dadurch werden die geistigen Fähigkeiten des Erkrankten, seine Möglichkeiten zur Kommunikation und Erinnerung beeinflusst. Im fortschreitenden Krankheitsverlauf können Phasen der Stabilität im Wechsel mit Perioden der Verschlechterung auftreten. Im Endstadium der Krankheit sind Menschen mit Demenz oft vollständig auf fremde Hilfe angewiesen.

Der Begriff “Demenz” leitet sich vom lateinischen ab: “de-mens” (de = “weg von”, mens = “geist”) Die medizinische Verwendung des Begriffs unterscheidet sich von der Übersetzung des Begriffs aus dem Lateinischen. In der Medizin wird „Demenz“ bezeichnet als ein andauernder oder fortschreitender Zustand, bei dem die Fähigkeiten des Gedächtnisses, des Denkens und/ oder anderer Leistungsbereiche des Gehirns beeinträchtigt sind. Oft kommt es auch zu Veränderungen des zwischenmenschlichen Verhaltens und des Antriebs.
Mit dem Begriff „Demenz“ wird ein Muster von Krankheitszeichen („Syndrom“) beschrieben. Einer „Demenz“ können unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen, wie die Alzheimer Krankheit.

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